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Mittwoch, 23. Mai 2012 | 18:48

Julia Hülsmann Trio: Imprint

14.03.2011

Kultivierte Kühle

Eine zeitlose Momentaufnahme will dieses Album nach eigener Aussage sein. Ohne Zweifel, es ist hochkultivierter moderner Jazz, der uns hier vom Julia Hülsmann Trio präsentiert wird, makellos beinahe. Und hier beginnt möglicherweise auch das Problem... Von CHRISTOPH POLLMANN

 

Vielleicht ist es ja die nordische Kühle Oslos, die auf den Geist dieses Album eingewirkt hat, denn hier haben die Berliner das Album Imprint aufgenommen Oder sind es vielleicht die dreizehn gemeinsamen Jahre dieses Trios, die diese Abgeklärtheit bewirkt, die die insgesamt elf Songs ausstrahlen? Verstehen wir uns nicht falsch: Imprint ist ein großartiges Album, Trio-Jazz in Perfektion! Ein Geschenk für Ohren und Sinne, eine Aushängeschild für den deutschen Jazz ... Und dennoch verlässt man dieses Hörerlebnis nur mit einem Nachklang von Melancholie, von Ferne und Einsamkeit, nichts, was tiefer dringt ins – nennen wir es mal – Seelische. Es ist die Streicheleinheit einer kalten Hand, es ist langer Abschiedsblick. Verstärkt wird dieser Eindruck durch das durchweg mittlere Tempo und eine recht enggefasste Dynamik der Stücke: Wir bewegen uns durchgehend in einem mittleren Feld, ohne Ausbrüche, ohne Flüsterton, sondern sehr in Plauderlaune, wenn auch in nachdenklicher. Ja, heiter wird es tatsächlich nie ...

 

Ein wenig mimosig

Bewunderung bleibt: Das Zusammenspiel in den Soli zeugt von großem Verständnis und Geschmack, die Arrangements sind tadellos und abwechslungsreich, die Durchführung wohl kaum besser gestaltbar. Und möglicherweise kann der Funke des Liveerlebnisses die Kompositionen noch zünden, ihnen die Wärme verleihen, die bei der Produktion irgendwie abhandengekommen ist.

 

Bezeichnend ist hier wohl das exotischste Stück des Albums, die Interpretation des alten Swing-Schlagers Kauf dir einen bunten Luftballon. Hier lässt sich direkt miterleben, wie der warme Charme des Stücks vom Trio allmählich »herausoperiert« wird. Und tatsächlich bleibt eine Art Hülle zurück, wie von einem Luftballon, der mit der Zeit eingeschrumpelt ist, schlaffluftig und ein wenig mimosig ...

 

Natürlich kann man die fehlende Wärme mit gewolltem Stil entschuldigen. Aber es hilft ja nichts, der Mensch ist ein Kontrastwesen. Und erst über den Kontrast entfaltet sich die Wirkung der Kühle erst richtig, das weiß jeder Saunagänger. Dennoch muss diese Gruppe weiter beobachtet werden, denn ihr Potential ist einfach immens und – wie ich vermute – für jede Überraschung gut.     

 

Record Release Tour

13.03. Zürich, Moods

14.03. Freiburg, Jazzkongress im Hotel zum Schützen

30.03. Köln, Stadtgarten

31.03. Karlsruhe, Jazzclub

18.06. Bad Wildungen, Stadtfest

03.09. Agathenburg, Schloss Agathenburg

 

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