Viel kann man eigentlich nicht zu dem Schweden Johannes Heldén sagen. Er hat ein paar Bücher veröffentlicht und ist als Installationskünstler gerade im Begriff, sich einen Namen zu machen. Natürlich macht er auch noch Musik, das tun die meisten Allround-Genies, sonst wären sie ja keine. Mit Title Sequence beweist er, dass er nicht nur Musik machen kann, sondern das auch noch sehr, sehr gut.
Kopfhörermusik ist das, melancholischer Ambient mit Feldaufnahmen kombiniert. In den Songs gibt es wenige Bewegungen. Es wabern die Synthesizerakkorde auf und ab, hier und dort fügen sich Klaviermelodien oder basale Perkussion ein oder elektronisch verfremdete Sounds ergänzen den Klangteppich. Das ist nahe an Aleatorik, an Musik, die mehr dem Zufall als der Willkür des Künstlers geschuldet ist, noch näher jedoch an der musique concrète. Denn Heldén weiß, was er da tut. Das Timing der minimalen Wechsel und Brüche ist perfekt bemessen, die Songs schleichen sich unauffällig heran und packen in ihrer Langsamkeit und Ruhe.
Auf durchgängige Rhythmen wartet man vergebens, und doch stellen sie sich irgendwann von selbst ein, ohne wirklich in den Songs vorhanden zu sein. Die Musik steht im Grunde nur zwischen zwei Polen. Einer davon ist Heldén, der die Impulse und Klänge steuert und kombiniert, der andere ist der Hörer, bei dem die sieben Songs des Schweden weiterwirken können und sollten. Eigentlich nerven solche Universalgenies immer ein wenig und es ist dann durch die giftgrüne Neidbrille gesehen immer ein selbstzufriedenes Grinsen wert, wenn sie scheitern. Heldén allerdings wehrt sich gekonnt gegen alle Schadenfreude, indem er ein unprätentiöses, grandioses Album geschaffen hat.
