von Michael Ebmeyer Andrea Maria Schenkel: Finsterau David Small: Stiche. Erinnerungen "Bacon Talks": Frankfurts Schauspielintendant Oliver Reese schreibt ein Stück und inszeniert Der FUTTERblog - streng verdaulich! Kennzeichen T - 28.04.2012
Mittwoch, 23. Mai 2012 | 18:49

Johannes Heldén: Title Sequence

14.03.2011

Perfekte Melancholie

Das muss der Neid ihm lassen: Johannes Heldén legt mit Title Sequence ein beeindruckendes Album vor, das den Grenzbereich von Ambient und musique concrète auslotet. Von KRISTOFFER CORNILS.

 

Viel kann man eigentlich nicht zu dem Schweden Johannes Heldén sagen. Er hat ein paar Bücher veröffentlicht und ist als Installationskünstler gerade im Begriff, sich einen Namen zu machen. Natürlich macht er auch noch Musik, das tun die meisten Allround-Genies, sonst wären sie ja keine. Mit Title Sequence beweist er, dass er nicht nur Musik machen kann, sondern das auch noch sehr, sehr gut.

 

Kopfhörermusik ist das, melancholischer Ambient mit Feldaufnahmen kombiniert. In den Songs gibt es wenige Bewegungen. Es wabern die Synthesizerakkorde auf und ab, hier und dort fügen sich Klaviermelodien oder basale Perkussion ein oder elektronisch verfremdete Sounds ergänzen den Klangteppich. Das ist nahe an Aleatorik, an Musik, die mehr dem Zufall als der Willkür des Künstlers geschuldet ist, noch näher jedoch an der musique concrète. Denn Heldén weiß, was er da tut. Das Timing der minimalen Wechsel und Brüche ist perfekt bemessen, die Songs schleichen sich unauffällig heran und packen in ihrer Langsamkeit und Ruhe.

 

Auf durchgängige Rhythmen wartet man vergebens, und doch stellen sie sich irgendwann von selbst ein, ohne wirklich in den Songs vorhanden zu sein. Die Musik steht im Grunde nur zwischen zwei Polen. Einer davon ist Heldén, der die Impulse und Klänge steuert und kombiniert, der andere ist der Hörer, bei dem die sieben Songs des Schweden weiterwirken können und sollten. Eigentlich nerven solche Universalgenies immer ein wenig und es ist dann durch die giftgrüne Neidbrille gesehen immer ein selbstzufriedenes Grinsen wert, wenn sie scheitern. Heldén allerdings wehrt sich gekonnt gegen alle Schadenfreude, indem er ein unprätentiöses, grandioses Album geschaffen hat.

 

| kommentar schreiben

Name:
Kommentar:

Götter verstehen keinen Spaß

Wenn Shakespeare sich in der griechischen Mythologie bedient und den blindes Seher Tiresias zum Helden eines seiner Stücke gemacht hätte, der Inhalt hätte durchaus so aussehen ...

»Die Wahrheit ist ein scheues Kind ...«

Mit dem Roman Tannöd begann 2006 die erstaunliche Karriere der Andrea Maria Schenkel. Der Nachfolger, Kalteis (2007), bewegte sich noch ganz im Dunstkreis des erfolgreichen ...

Verstaubt ohne Ende

Bullenklatschen ist ein irreführender Titel, aber er provoziert – das ließe sich genauso über den Film sagen. Provozierend das Personal: eine Anarcho-Fete. Jedenfalls ...

No sleep till Pixel

Auf einem gewissen Panel der diesjährigen re:publica lief RUDOLF INDERST dem Berliner Dennis Liebzeit ...

Gegen die Dominanz des Beliebten

Nach Amazon (1997) und Google (2004) geht nun mit Facebook das dritte Internet-Schwergewicht an die Börse. Häufig liegen die drei Unternehmen mit der Entwicklung neuer Techniken ...

»Scheißwald, Scheißnatur, ey!«

Leicht grenzwertig diesmal, möchte man meinen. Setzt das gewöhnliche Schema von Mord, Aufklärung, Festnahme etwa Schimmel an? Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) geht dem Hinweis auf ...