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Mittwoch, 23. Mai 2012 | 18:58

Flip Grater/Birds of passage/The naked and famous

24.03.2011

Kiwipower!

(Nicht nur) sanfte Töne vom anderen Ende der Welt. Neues aus Neuseeland präsentiert TOM ASAM: Flip Grater, Birds of passage und The naked and famous.

 

Flip Grater: While I´m awake I´m at war

Der Titel deutet es schon an: hier wird ordentlich gelitten! Der Alltag als Krieg mit den eigenen Dämonen. All is fair in love and war heißt es so schön, und auch Flip Grater weiß natürlich von den Wunden des Liebeskrieges zu erzählen. Sehr verletzlich und persönlich fängt das Album an. Im am Anfang stehenden Titelsong heißt es: »And it has been raining for days now. And I haven´t moved from my space on the floor, your arms are the only place I know, where I can escape from it all.« Düster, fast schon Cash-feeling, statt Tod und Gott aber der kleine Tod im täglichen Dasein. Und statt der Stimme eines Mannes am Ende seines Weges hören wir eine neuseeländische Frau mittendrin im Leben. Ruhig instrumentiert mit Akustik-Gitarre, Piano und Violine. Es dauert bis zum vierten Song, dass etwas Hoffnung aufkommt. Careful klingt beschwingter, aber »Paris saw me lonely, strolling the streets, bottle in Hand, sunk knee deep« ist auch nicht gerade der Text eines Partysongs. While I´m awake I´m at war ist eine ruhige, nachdenkliche Platte zwischen Singer-/Sonwriter und Americana, die man auf sich wirken lassen muss. Mit Muße musst du das geniessen!

 

Birds of passage: Without the world

Auch Alicia Merz ist eine junge Frau aus dem Land der Kiwis. Unter dem Namen Birds of passage präsentiert sie uns eine ruhige, reduzierte Version von Zugvogelmusik. Also eher Flügelschlagen als lautes Geschnatter. Merz bringt zwar eine Singer/Songwriter-Attitüde mit – allerdings keine »Songs«. Bis auf einzelne Gastauftritte handelt es sich hier um eine sehr persönliche one-woman-show. Greifende Melodien und gängige Songstrukturen sucht man hier vergebens. Minimalistischer lo-fi Shoegaze zwischen Düsternis (Those blackest winter nights) und Hoffnung (Pray for a sunny day). Obwohl: das ist schon kein Shoegazing und kein Dreampop mehr, sondern barfüßiger Singer/Songwriterstoff – ohne Song, ohne Pop und ohne Schuhe. Wo bei Flip Grater schon die Fähigkeit nötig ist, mal 'ne Stunde runterzukommen, braucht man hier den Ruhepuls eines Hochleistungssportlers und den Willen zum akustisch gestützten Blick nach innen.

 

The naked and famous: Passive me, agressive you

Zeit zum Aufwachen. Geographische Randlage heißt ja heutzutage nicht mehr, den Zeitgeist verschlafen zu müssen. Und so gibt es natürlich auch in Neuseeland schnittige Retro-New-Wave oder New-New-Wave-Enwürfe. New-new-Zealand-Wave also. Rich and famous war dabei gestern. Für die fifteen minutes of fame, die heute jeder abgreifen kann, brauchts ja keine Kohle oder schicken Klamotten. Geht auch nackig! Also: The naked and famous. In ihrer Heimat haben sie mit Album und Single bereits die Chartspitze erklommen, nun wollen die reichen Nackedeis mit Passive me, agressive you (neee, Alter, iiich bin ganz ruhig!) und Europatour auch die alte Welt im Sturm nehmen. Und wer sollte sich da wehren. Vielleicht hätte sich der ein oder andere die zweite MGMT-Scheibe so vorgestellt! Die Hitstimmung von deren Debut mit ordentlich Gitarrenpower und deftigeren Keyboardbreitseiten kombiniert – so klappt das! Zumal wenn man eine Sängerin mit dem Namen Alisa Xayalith an Bord hat. Wenn´s doch nicht klappt: einen Praktikumsplatz bei der Spex hat sie damit sicher. Be aggressive, get your copy!

 

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