Markus Binder (Schlagzeug, Gesang, Electronics) und Hans-Peter Falkner (Ziehharmonika, Gesang) folgen seit 20 Jahren ihrer eigenen Vorstellung von »Neuer Volksmusik«. Ein Begriff, der nicht falsch ist, aber auch nicht viel aussagt. Elemente traditioneller Mundartmusik werden bei Attwenger mit Einflüssen von Punk bis Hip Hop/Dance mit Hilfe von Feedbacks und Loops zum originären Sound. Sehr wichtig ist dabei auch der Umgang mit dem Wort. Zum einen ist zu erwähnen, dass der Sprechgesang im Dialekt gehalten ist, zum anderen sind die Beiden Meister von Sprachspielereien und nutzen den Klang des Wortes. Attwenger sind zwar längst auch außerhalb ihres »Sprachraumes« bekannt und beliebt, allerdings geht dem durchschnittlichen ostwestfälischen Hörer (der vielleicht vorwiegend die Exotik und den Klang der Sprache genießt) da schon einiges. Das geht vielleicht schon bei Albumtiteln der Band an: Dog, Sun und Song haben sowohl im Österreichischen als auch im Englischen eine Bedeutung. Das trifft auch auf Flux zu. Was hier im Nu geschehen ist, hat dort eher eine mathematische Bedeutung. And, don´t you know: Flux des is a flow. Und dann gab´s da noch Fluxux, eine Richtung der Aktionskunst in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts...
Während viele Bands auf der Jagd nach dem big deal (meist vorübergehend) bei gesichtslosen Großunternehmen landen, bleiben Attwenger dem Münchner Label »Trikont« treu. Und wo andere Veröffentlichungen mit sinnentleerten Lobhudeleien im Pressetext rausgeschickt werden, schreibt Markus Binder hier selbst. Das kann man auch prima zitieren, wer wollte besser beschreiben, worum es hier geht: »Das GrooveSlangPunkduo Attwenger spielt auf Flux Rock n Roll & Swing, Turbopolka & Speedlandler, Synthie & Geschichten, Brass & Kantri, Dschakkabum und gelegentlich auch langsam«. Und das tun sie schon beim opener Shakin my brain dermaßen schwungvoll und frisch, dass man meint, es handele sich um ein Debutalbum. »I´m going crazy, when I´m thinking of you/ i deng immer an di owa aun wen dengst du/und wos mia ois erlebm vo dem brauch ma goa ned redn.« Dialekt wird hier, so Binder »nicht vorrangig als Transporter von Inhalten verstanden, sondern als Terrain fluxierender Bedeutungen, Stichwort: Verbalisierung des Sounds,Rhytmisierung des Denkens«. Is eh da Waahsinn. Oana ged no: »Ohne hian kannst ned denga/ ohne uns kane attwenger/ ohne attwenger waas enger/owa mia bleibm e nu lenga«. Danke. Füas Bleibm und de sauguade Scheibm!