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Mittwoch, 23. Mai 2012 | 19:11

Lento: Icon

14.04.2011

Kongeniale Dekonstruktion

Das junge deutsche Label »Denovali« ist derzeit die beste Anlaufstelle für experimentelle und progressive Musik, von Sludge über Post-Rock bis zu Dark Ambient. Auch die italienischen Lento fügen sich bestens in den Backkatalog ein, aber nehmen sich von allem ein bisschen und dekonstruieren das Gegebene auf meisterhafte Art und Weise. Von KRISTOFFER CORNILS

 

Icon muss laut gehört werden, der Volume-Schalter in Spinal Tap-Manier auf elf hochgerissen und los geht der düstere Trip. Lento integrieren viel von dem, was auf ihrem Label »Denovali« an Bands und Genres herumgeistert, von Post-Rock beziehungsweise Post-Metal wie Omega Massif über Sludge- und Doom-Momente wie bei Celeste oder aber Dark Ambient-Phasen wie sie ähnlich bei The Kilimanjaro Darkjazz Ensemble und anderen nicht selten zu finden sind.

Im ersten Durchlauf bietet das zweite Album der italienischen Band daher auch wenige Überraschungen, klingt epigonal, nach Altbekanntem. Je mehr man sich aber auf die 37minütige LP einlässt, desto fesselnder wird sie und desto mehr Vielschichtigkeit und Eigensinn entdeckt man. Lento dekonstruieren Musik, sie wagen sich weiter vor als viele ihrer Kollegen und selbst, wenn man genau hinhören muss, um das zu erkennen, so lohnt es sich für jeden Fan von den Bands und Genres, die als Verweis herhalten könnten, weil er mit Icon etwas Neues entdecken kann.

 

Zusammengehalten werden die Songs auf Icon vor allem durch das ruhige aber kraftvolle Drumming. Es bildet in seiner Einfachheit strukturierende Gegenakzente zu den vertrackten rhythmischen Phrasen der Gitarrensektion und verleiht den Songs einen ebenso hypnotisierenden wie beklemmenden Groove. Die Saiteninstrumente klingen massiv, kratzig, epochal und werden trotzdem mit mathematisch anmutender Perfektion bedient – die absolute Rohheit des Sounds wird so in ein stimmiges durchdachtes Ganzes gebracht, das sich trotzdem von Part zu Part, Stimmung zu Stimmung bewegt.

Trotz der stellenweise sehr sperrig stotternden Riffs verleiten die Songs zum Kopfnicken, sind von einer Körperlichkeit, der zu entfliehen nicht möglich ist. Ohne Drumming und metallische Gitarrenwände kommen Lento jedoch ebenso gut aus: Songs wie Throne zeigen, dass sich die vier Musiker auch in den Gefilden des Dark Ambient und des elektronischen Drones beweisen können. Der Opener Then stellt den Hörer schon darauf ein. Und wenn sich das Schlagzeug aufbaut und im zweiten Song, dem schleppenden Hymn, übergeht, ist es dringend an der Zeit, die Stereoanlage auf elf hochzureißen.

 

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