Wenn man von einer generationsübergreifenden Musiker-Kooperation hört, bei der ein Musiker 45 Jahre alt ist, liegt die Vermutung nahe, dass dieser einen jungen Mitstreiter an seiner Seite hat. Nicht so im vorliegenden Fall, denn der »Jungspund« ist hier schon der 45-jährige Burnt Friedman, der sich als Musiker und Produzent – unter anderem mit Non Place Urban Field – überwiegend im experimentierfreudigen elektronischen Bereich einen Namen gemacht hat. Sein Partner ist der 1938 in Dresden geborene Jaki Liebezeit. Dieser ist vor allem durch seine Jahre mit den phantastischen CAN unsterblich geworden. Zusammen mit dem leider 2008 verstorbenen Klaus Dinger (Kraftwerk,NEU!) gehört er sicher zu den einflussreichsten Drummern in der populären Musik der letzten 40 Jahre – nicht nur in Deutschland. Er arbeitete auch mit Michal Rother (Dingers NEU!-Partner), Brian Eno oder Depeche Mode. In den sechziger Jahren spielte er auch mit Chet Baker!
Seit zehn Jahren forschen Friedman und Liebezeit nun schon nach »geheimen Rhythmen«. Sie machen sich auf die Suche nach Rhythmen jenseits der in der westlichen Musik populären Muster. Bei ihrer Fusion globaler Rhythmen kommt allerdings nichts heraus, was man irgendwie als World Music bezeichnen könnte. Weder ist es ein kunterbuntes Patchwork-Vergnügen, das sie anstreben, noch ist in ihrem Sound eine spezielle musikalische Regionalität auszumachen.Vielmehr arbeiten sie sich ins universale Herz des Rhythmus vor. Im Zentrum steht dabei ganz klar Jakis reduziertes, repetitives Trommelwerk. Er lehrt uns, dass Groove durch Wiederholung entsteht. Welche Rolle Friedman exakt spielt, ist nicht so genau auszumachen, »other instruments« scheint aber hier (vor allem) Korg Synthesizer und Gitarre zu bedeuten.
Die Sound-Verfremdungen der Instrumente und das Gespür für das Detail sorgen für den nötigen Kontrast zur hypnotischen Kraft der Wiederholung. Gastmusiker spielen auf dem vierten Teil der Serie eine untergeordnete Rolle, Joseph Suchy ist mit seinem prägnantem Gitarrensound diesmal nur auf zwei der sechs Stücke (von denen vier die Zehnminutenmarke überschreiten) vertreten. Das Mastering lag wie gewohnt in Händen von Rashad Becker. Für alle, die den Groove jenseits von Disco und Mother Africa erkunden wollen ebenso ein Fest wie für Soundfetischisten.