Hat diese 22-minütige Minioper nicht 64 Jahre nach ihrer Uraufführung, im Zeitalter des ubiquitären Handy-Wahnsinns, grandios an Aktualität gewonnen? Gian Carlo Menotti ist in den USA populär. In Europa wird er nicht so recht ernst genommen und kaum aufgeführt. Irgendwo zwischen Puccini und Andrew Lloyd Webber angesiedelt, lässt er sich im Theaterbetrieb schwer einordnen. Schade. Denn zumindest The Telephone gehört zu den witzigsten Musiktheaterwerken, die sich anbieten. So muss man sich denn mit der CD bescheiden, die eine Aufnahme von 1947 in restaurierter Version erneut zugänglich macht.
Menottis Melodien sind eingängig, zum Teil fast volksliedhaft. Dazwischen aber und in ihrer Verarbeitung beweist der aus Italien stammende Komponist, der 2007 im Alter von 95 Jahren starb, dass er durchaus mit den (tonalen) Kompositionstechniken des 20. Jahrhunderts vertraut war. In den Gesangspartien nimmt er oft die natürliche Sprechmelodie auf – und der Text, den man auf der CD dankenswerterweise gut versteht, ist bei ihm nicht Nebensache –, tonmalerische, ja filmmusikähnliche Effekte werden ausgiebig genutzt, und das Orchester sowie das Klavier übernehmen auf ausgesprochen komische Weise die Rolle der Gesprächspartner auf der anderen Seite der Telefonleitung.