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Donnerstag, 24. Mai 2012 | 00:10

Cock Robin: Songs from a bell tower / Marla Glen: Humanology

02.05.2011

Zwei halbe Comebacks

Zwei Namen mit einigen Paralellen. Beide Acts schafften den Durchbruch in ihrer US-Heimat nicht, beide waren in Deutschland kurzzeitig ziemlich erfolgreich. Sowohl Cock Robin als Marla Glen machen etwas, was man gerne als »ehrliche, handgemachte« Musik bezeichnet und kämpfen für ein Comeback. Von TOM ASAM

 

Auch wenn in den letzten Jahren wiederholt der Eindruck vermittelt wird, in den 80er Jahre hätte jedermann Joy Division, The Cure oder gar Young Marble Giants gehört, sah die Realität natürlich - vor allem hierzulande - anders aus. Aber auch ehemals kommerziell große Namen wie Duran Duran oder The Human League tauchen wieder auf, andere waren immer da. Dazwischen gibt es Namen, die einem zwar geläufig sind, man aber gar nicht genau einschätzen kann, wie sie sich in den letzten Jahren im Markt positionieren konnten.

 

Cock Robin aus Los Angeles veröffentlichten 1985 ihr gleichnamiges Debutalbum, von dem zwei Single-Auskopplungen in den deutschen Top Ten landeten. Doch schon vor dem zweiten Album sorgten personelle Veränderungen für ein Versinken in der kommerziellen Bedeutungslosigkeit. In der Heimat von Anfang an missachtet, gab es in der Folge nur eine überschaubare Gefolgschaft in Westeuropa. Solokarrieren und ein Comeback-Versuch 2006 versandeten. Wer also, könnte man fragen, braucht 2011 ein Cock Robin-Album? Vermutlich geht es gar an Classikrock-Radiostationen und Ü-40-Feten-DJ´s unbemerkt vorüber. Was schon wieder irgendwie schade ist. Denn Songs from a bell tower bietet 13 wirklich gelungene, abwechslungsreiche Pop-/Rocknummern und zwei tolle Stimmen. Das verweist zwar alles auf 80er-Jahre Mainstream-Sound, besitzt aber genug Eigenständigkeit, ein Quantum Melancholie und zudem eine bombige, jedoch nicht zu cleane Produktion. Somit dürfte jeder Song eine angenehme Abwechslung im sehr beschränkten Repertoire der entsprechenden Zielgruppen-Sender darstellen. Bevor er sich die ein oder andere gigantische und heillos überteuerte Revival-Show so mancher alten Stars antut, sollte sich der Freund des gepflegten Mainstreampop überlegen, ob er nicht der Bell Tower Tour, die im Mai durch Deutschland zieht, einen Besuch abstattet.

 

Marla Glen, eine 1960 in Chicago geborene Sängerin mit androgynem Auftreten und tiefer Stimme, erzielte  mit ihrem 1993 erschienen Album This is Marla Glen in Europa große Erfolge. Sie brachte sogar Songs in TV-Werbespots unter, was damals noch nicht so einfach war, von vielen Musikfans allerdings auch sehr kritisch bewertet wurde. Glen, seit Ende der 90er in Deutschland lebend, konnte wie Cock Robin nie wieder an ihren Anfangserfolg anschließen. Das mag unter anderem auch persönlichen Problemen geschuldet sein. Trotzdem wundert man sich – auch bei Berücksichtigung der Tatsache, dass im Musikgeschäft seitdem der Mainstream der Minderheiten an Boden gewonnen hat – warum sich so was nicht weiter wie geschnitten Brot verkauft hat. Humanology bietet eingängigen Pop, der von Blues, Soul und Rock gleichermaßen geprägt ist. Mit ihrer bluesigen Stimme trägt Glen Songs vor, die sich mit persönlichen und gesellschaftlichen Themen bewegen und auch Glaubensaspekte berühren. Da ist dann auch Xavier Naidoo als Gesangspartner auf Believer zur Stelle, was mich persönlich eher abschreckt. Aber vielleicht hilft es ja, die nötige und auch verdiente Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Glen verarbeitet traditionelle Stile zu Popsongs in einer Art, die ebenfalls  eher an die 80er Jahre erinnert; auch wenn sie erst 1993 debutierte, und mittlerweile 2011 ist. Das sollte doch seine Hörer finden.

 

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