Eigentlich wollten sie ja nach ihrem Debut 2008 eine US-Tour machen und noch im gleichen Jahr ins Studio zurückkehren. Doch der überraschend große Erfolg des unglaublich guten Erstlingswerkes machte natürlich mehr Liveauftritte erforderlich, als zunächst gedacht. Robin Pecknold wurde zudem von der (nicht nur) von ihm sehr verehrten Harfenelfe Joanna Newsom als Opening Act für ihre Tour eingeladen, was er sich nicht nehmen ließ. Die Tatsache, dass sich die Aufnahmen zu Helplessness Blues über diverse Studios zogen, sowie Krankheit, Zweifel an den Songs und weiß der Teufel noch was alles, haben weitere Geduld bei den Fans nötig gemacht. Das Warten hat sich gelohnt. Die Fleet Foxes hätten leichtes Spiel gehabt, wenn sie eine Kopie ihres ersten Albums gemacht hätten. Doch Helplessness Blues ist überraschenderweise weniger auf Hits und schnell zugängliches Songwriting ausgelegt, als man das erwarten konnte. Und das, obwohl einige Songs mit eingegangen sind, die Pecknold für die Newsom-Tour geschrieben hatte – und die hinsichtlich einer effektiven Soloperformance auf eine klare Melodieführung abzielten.Vermutlich wurden letztlich deutlich veränderte Versionen verwandt.
Die Fleet Foxes bauen auf eine Synthese von Folk(rock) und psychedelischem Pop, die gut mit einer Mischung aus Crosby, Stills, Nash and Young und Beach Boy Brian Wilsons Klassikern zu dessen Hochphase beschrieben ist. Von der Emotionalität und Trance-artigen Wirkung der Arrangements nennt Pecknold auch Van Morrison als wichtige Inspirationsquelle. In Songs wie Green Ocean, Bedouin Dress oder dem Titelsong kommt eine Slide-Guitar zum Einsatz und sorgt für einen gewissen Country-Schlag. Nicht nur die versponneneren Songs, sondern auch der Einsatz von Instrumenten wie Dulcimer, Zither, Geige, Flöte und anderen sorgen für mehr Abwechslung als beim Debut. Bei diesem fand man vielleicht schneller seine absoluten Lieblingssongs und -stellen, Helplessness Blues bleibt aber letztlich vielleicht sogar länger in der heimischen heavy rotation. Wie auch immer: großartig!
Wer das Glück hatte, die Band auf ihrer 2009er Tour in kleinen Clubs zu sehen, weiß, dass sie in der Lage ist, ihre Stücke inklusive des himmlischen, mehrstimmigen Gesangs auch live absolut perfekt und packend rüber zubringen. Diesmal gibt es hierzulande wenig Möglichkeiten, die zum Sextett angewachsene Seattle-Formation (in deutlich größerem Rahmen) zu bewundern.