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Donnerstag, 24. Mai 2012 | 00:18

Toms Schnellgericht

05.05.2011

Lazy Sunday Afternoon

Genervt von der Arbeitswoche, der Lieblings-Club hat verloren und der Sonntag ist verregnet? Da hilft Folgendes: Dringende Arbeit vorschützen, Partner (-in) und eventuell vorhandenen Nachwuchs alleine zu den (Schwieger-)Eltern schicken und einen Schwung entspannter neuer Platten genießen. Von TOM ASAM.

 

Johannes Enders ist als experimentierfreudiger Jazzer bekannt, der in wechselnden Besetzungen und Formationen musikalische Möglichkeiten auslotet. Berührungen mit Electronic, Minimal Music und (Post-)Rock erweitern den Horizont des Tenorsaxophonisten aus Weilheim in Oberbayern. Der 44-jährige war bereits an rund 100 Alben beteiligt. 2010 erschien ein Enders Room Album, eine Zusammenarbeit mit dem Jazz Baltica Ensemble und Divertimento für Tenorsaxophon und kleines Ensemble, letzteres in Zusammenarbeit mit Carl Oesterhelt. Billy Rubin ist eine klassische Quartetteinspielung, die vor allem die langjährige Freundschaft Enders zum 70-jährigen Schalgzeuger Billy Hart feiert. Der US-Amerikaner hat mit unendlich vielen Musikgöttern von Otis Redding über Hendrix bis Herbie Hancock gespielt und half Enders nun, ergänzt durch Jean Paul Brodbeck (Piano) und Milan Nicholic (Bass) dieses wunderbare Album zu veredeln. Die sieben Aufnahmen zu Billy Rubin entstanden an einem einzigen Tag.Das Zusammenspiel ist elegant und maßvoll, exponierte Soloeskapaden unterbleiben, was einen hypnotischen Fluss der Musik begünstigt. »Auf das wir die Anfechtungen des Alltags hinter uns lassen und in diesen Klängen Zuflucht finden« heißt es in den Liner Notes. Genau der richtige Einstieg in einen entspannten Sonntag Nachmittag.

 

Unermüdlich wie Hans-Joachim Roedelius selbst, arbeitet das Label »Bureau B« weiter an der Wiederveröffentlichung von Solo-Veröffentlichungen des vor allem aufgrund seines Schaffens mit Kluster (bzw. Cluster) und Harmonia weltweit verehrten Avantgarde-Musikers und Ambient-Geburtshelfers. In den frühen 80ern begann Roedelius, sich immer mehr auf den Flügel zu konzentrieren. Die hier zu hörenden, teils streng komponierten, teils improvisierten Neonklassik-Stücke entstanden 1987 und sind mit dem fast zehn Jahre zuvor entstandenen Werk Jardin au fou zu vergleichen. Jedoch spielerisch ausgereifter und ergänzt durch dezente Saxophon- und Synthesizer- Anteile, schenkt uns dieses – um drei bisher unveröffentlichte Stücke erweiterte – Album genau das, was wir suchen – und was es im Titel verspricht: Momenti Felici.

 

Zur perfekten Vollendung des lazy sunday afternoon verlassen wir uns auf Profis. Der Labelname »Full Time Hobby« erinnert daran, dass man die schönsten Dinge eigentlich ständig genießen sollte. Und wer sollte besser geeignet sein, uns den Alltag vergessen zu lassen als die Mitglieder von The Leisure Society? Die Freizeitgesellschaft landete 2009 mit ihrem wehmütig-schönen Debut The Sleeper einen gelungenen Überraschungserfolg. Lebende Legende (und ehemaliger musikalischer Roedelius Partner) Brian Eno ist bekennender Fan und beschreibt die Musik der Gesellschafter als »frisch, aufgeweckt und belebend – and hookier than a fisherman's satchel.« Die Formation um Nick Hemming verzaubert mit detail- und melodieverliebten Songs, die nicht nur Fans von den Fleet Foxes und den Turin Brakes überzeugen werden. Stimmungsmässig erinnert The Leisure Society wiederholt an die Beach Boys zur Surf´s Up-Phase. Währen diese noch mahnten »don´t go near the water«, versinken die Britten into the murky water. Wir versinken in die Sofakissen und freuen uns über einen gelungenen Nachmittag.

 

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