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Donnerstag, 24. Mai 2012 | 00:19

Hoquets: Belgotronics

12.05.2011

Schluckauf ist okay

In Anlehnung an die viel beachtete Congotronic-Serie des belgischen Qualitätslabels Crammed Disc nennt dieses von Brüssel aus agierende, internationale Trio, ihr Debut Belgotronics. Das Ergebnis ist mehr als nur o.k. Findet TOM ASAM

 

Crammed Disc sind mehr als »nur« ein World Music Label, ihr Aushängeschild ist die Begegnung von Tradition und Moderne in der Form, in der sie einige afrikanische Bands wie Konono No 1 oder Kasai Allstars aufs Unterhaltsamste in Tönen festhalten. Eine wichtige Rolle spielen dabei primitive, selbstgebaute Instrumente. So auch bei den Hoquets, einer aus einem Belgier, einem Franzosen und einem US-Amerikaner bestehenden Truppe. Benannt ist das Trio nach der Musikgattung »Hoquetus«, einer vom deutlichen Wechsel mehrerer Stimmen bestimmten Musikgattung, das Wort bedeutet allerdings auf Französisch auch Schluckauf – und wird o.k. ausgesprochen.

 

Das Einzige was einem hier aufstoßen könnte, ist die Tatsache, dass einem bei den Wörtern Congotronics/ Belgotronics die alles andere als unproblematische historische Verwicklung des kleinen Landes Belgien in kolonialen Größenwahn in den Kopf kommt. Historische Besonderheit: nicht der belgische Staat beutete den Kongo aus, König Leopold II. ließ sich seinen Grunderwerb in den unerforschten Tiefen Afrikas als Privatbesitz anerkennen. Schätzungen zufolge sind in 23 Jahren gewaltsamer Fremdherrschaft unvorstellbare 25 Millionen Kongolesen ums Leben gekommen. Aber das hat natürlich nichts mit dem großartigen, mutigen Trio Hoquets zu tun.

 

Mit handgefertigten Instrumenten, die aus Brettern, Blechdosen und Müll zusammengeschraubt sind, legen sie los – und erzielen süchtig machende Resultate, die auf der einen Seite durchaus vertraut, andererseits von einer gewissen Exotik beseelt scheinen. Rauer Indiepop mit Do it yourself-Ästhethik und unwiderstehlichem Groove. Diese Band bringt einen sympathischen Punk-Geist in ihr postmodernes Soundgebräu; in ähnlichem Maße, wie die Beastie Boys ihn in den weißärschigen Hip-Hop gebracht haben. Sehr, sehr kurzweilig und mehr als bloß o.k.

 

 

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