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Donnerstag, 24. Mai 2012 | 00:19

Katharina Nuttall: Turn Me On

12.05.2011

Powerfrau? Zitronenbatterie!

Ein Eyecatcher wie das Label »Powerfrau« scheint traurigerweise das letzte Refugium der Pressetexter zu sein, wenn sie zum Ausdruck bringen wollen, dass sich eine Sängerin tatsächlich traut, über Rockmusik zu singen. Katharina Nuttalls drittes Album Turn Me On straft die Versprechungen Lügen und liefert ungefähr so viel Energie wie die selbstgebastelte Zitronenbatterie aus dem Chemieunterricht der Mittelstufe, findet KRISTOFFER CORNILS.

 

Was eigentlich zählt, sind ja aber nicht der verlegene Nettigkeitssexismus der Pressetexte, das Geschlecht des Künstlers/der Künstlerin oder der Kilowatt-pro-Stunde-Wert einer CD, sondern die Musik. Aber wer möchte schon ernsthaft Setzenkastenrock serviert bekommen? Niemand, sollte man meinen und trotzdem wird davon genügend auf den Markt geschmissen. Katharina Nuttall meldet sich mit Turn Me On zurück und fügt sich mit den 11 Tracks auf Radiolänge in die Überfülle der schnarchig-belanglosen Rockpopcombos ein. Die Gesangsparts werden mit genauso viel Verve abgeliefert wie die kantenlosen Gitarrenriffs. Da helfen auch Zerr- und Halleffekte wenig. Irgendwie schafft Katharina Nuttall es, nicht nur Langeweile aufkommen zu lassen, sie ödet sich offenbar selbst an, während sie ihre eingängigen Hooklines runterleiert.

 

Auf instrumentaler Ebene das Gleiche. Und das, obwohl immerhin Head hinter den Reglern stand – der ist als Stammproduzent von unter anderem PJ Harvey immer verlässlich für einen griffigen Sound, enttäuscht aber mit einer absolut schlaffen Arbeit. Die Saiteninstrumente haben kaum Substanz, weder in den balladesken Stücken noch in den beatdominierten Rocknummern, die auf Turn Me On am häufigsten zu finden sind. Das Drumming wird natürlich dem Zeitgeist angepasst und kommt hier und dort mal elektronisch herüber, was die einfallslosen Rhythmen nun wirklich keine Spur interessanter macht.

 

Was neben dieser Trendaerodynamik von Schlaftablettenrock nach Zahlen noch auffällt, sind die bemerkenswert peinlichen Texte Nuttalls. Sie spart nicht mit Imperativen und Forderungen: Turn me on liefert ja bereits den Titel, Zeilen wie »let me see you stripped« und »take me through to your side« sollen neben dem ganzen Schwall an Wehmutsgefasel wohl auf den Tisch hauen. Das klappt zwar nicht, aber eigentlich ist es schon traurig genug, dass Nuttall nicht mal mit dem Befehlshaberton irgendwen dazu bringen zu können, diesem Album generischer Rocknümmerchen für mehr als dreieinhalb Minuten etwas abzugewinnen.

 



 

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