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Donnerstag, 24. Mai 2012 | 00:23

Amon Tobin: Isam

19.05.2011

Sound Design für Zeitreisende

Nach vier Jahren kehrt der Soundtüftler mit einem beeindruckenden neuen Album zurück. TOM ASAM hört Isam von Amon.

 

Amon Tobin tritt aus dem Foley Room, um im Grenzbereich von Sound Design und Science-Fiction-Electronic das Reich Isam zu betreten. Es ist wirklich ein eigener Klangkosmos, der sich hier auftut. Dass Teile davon für einen neuen Film von Wim Wenders verwendet werden, verwundert mich eher. Dessen Werke halte ich teilweise für bodenlos überschätzt und zum Einschlafen langweilig. Ich meine, wer schafft es schon, aus den Zutaten Traumstadt Lissabon und Spitzenband Madredeus einen Langweiler wie Lisbon Story zu machen? Egal, ich vermag mir nur die Schnittmenge aus Tobin-Hörer und Wenders-Seher schwer vorstellen. Tobin hat auf Isam Field Recordings per spezieller Technik umgewandelt in ein psychedelisch-schräges, irgendwie kühles, aber auch ein gewisses Maß an Melodie wahrendes Etwas, das einen in ferne Welten abdriften lässt.

 

Amon Adonai Santos de Arauja Tobin ist ein Brasilianer der uns eine kühne Version einer Zukunftsmusik präsentiert – die Samba für Zeitreisende. Intensiv und wandlungsfähig. Isam wirkt erst befremdlich, wächst und wächst und entpuppt sich als etwas ganz Besonderes. So wie der ursprüngliche Coverentwurf, der düster und morbide wirkte, einem eleganten Schmetterling weichen musste. Wer Hörerfahrungen von klassischen Warp Bands bis zu jüngeren Radiohead, von Four Tet bis Flying Lotus genossen hat, dürfte auch hier seine Freude haben.


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