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Donnerstag, 24. Mai 2012 | 00:26

 

Bratsch: Nomades en vol.

25.03.2004


Der Balkan in Paris

Einmal mehr kann man nur bedauern, dass die nordamerikanische Populärmusik alle Alternativen verdrängt oder zumindest in die Ghettos der spezialisierten Nachtprogramme gedrängt hat.


 

Die Folkloren Ost- und Südeuropas zeichnen sich aus durch rhythmische Vielfalt und einen Reichtum an fröhlichen oder melancholischen Melodien, häufig auch durch den Klang von Holzblasinstrumenten, die meist auf Formen der Hirtenflöte zurückgehen. Auch die Musik der seit Jahrhunderten in den slawischen Ländern oder in Rumänien und Ungarn lebenden Juden und Roma ist beeinflusst von den weiter zurückreichenden Traditionen und hat diese ihrerseits beeinflusst. Die Gruppe Bratsch, die sich dieser Folkloren lust- und liebevoll annimmt, lebt in Frankreich. Sie besteht aus Dan Gharibian, dessen Name eine armenische Herkunft nicht übersehen lässt, an Bouzouki und Gitarre, aus Bruno Girard an der Violine, aus François Castiello am Akkordeon, aus Nano Peylet an der Klarinette und aus Pierre Jacquet am Kontrabass. Außer Jacquet singen auch alle Bratscher. Und ab und zu laden sie sich Gäste ein wie die Sängerin Mónika „Mitsou“ Juhász Miczura mit der Gruppe Andro Drom oder den bulgarischen Gadulka-Spieler Stanislav Petkov.

Das Repertoire von Bratsch, das Network in einem Porträt auf zwei CDs ausschnittweise vorstellt, reicht von echter über nachempfundener Folklore bis zu Les Pauls von Mary Ford einst süffig interpretiertem Hit Johnny Is The Boy For Me, der seinerseits aus der Zigeunermusik Osteuropas zehrt.

Einmal mehr kann man nur bedauern, dass die nordamerikanische Populärmusik alle Alternativen verdrängt oder zumindest in die Ghettos der spezialisierten Nachtprogramme gedrängt hat. Es gibt keinen vernünftigen Grund, die Gruppe Bratsch, die immerhin schon ein Vierteljahrhundert musiziert, im Laufprogramm der Musiksender zu ignorieren. Wer sich also das Vergnügen gönnen will, sollte diese im Übrigen wieder vorbildlich kommentierte Edition nicht unbeachtet lassen.

Thomas Rothschild


Bratsch: Nomades en vol. Network 25.193 (Vertrieb: Zweitausendeins)

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