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Donnerstag, 24. Mai 2012 | 00:26

Meredith Monk: Songs of Ascension

19.05.2011

Die Rückkehr der Meredith Monk

Meredith Monks erste Schallplatten wurden von der Kritik begeistert aufgenommen. Inzwischen ist es um die Künstlerin stiller geworden. Vielleicht führen die Songs of Ascension zu einer Renaissance. Von THOMAS ROTHSCHILD

 

In den siebziger und achtziger Jahren, als - wer sich für die Avantgarde in den Künsten interessierte - gebannt nach New York schaute wie in früheren Jahrzehnten nach Paris, ragte auf dem Gebiet der Musik und der Performance eine Frau – übrigens nicht nur künstlerisch, sondern mit ihrem Herrenhut auch als Erscheinung – hervor. Meredith Monk führte mit faszinierender Wirkung Gesangstechniken außereuropäischer Kulturen in die auch für das weiße Nordamerika bestimmende europäische Tradition ein. Im Solo und in diversen Ensembles präsentierte sie etwas, was der Minimal Music jener Zeit zwar verwandt war, sich aber den üblichen Kategorien entzog.

 

Gewiss, es gab auch Berührungspunkte mit dem textlosen Jazzgesang etwa einer Urszula Dudziak, einer Norma Winstone, einer Jeanne Lee oder einer Lauren Newton, aber es war doch etwas ganz Eigenartiges. Songs of Ascension, 2008 entstanden, ist eine von Meredith Monk als Einheit gedachte Komposition für Vokalensembles, ein Streichquartett und drei Instrumentalsolisten sowie Meredith Monk selbst. Die 21 Teile wirken aber wie eigenständige Stücke, kleine Kompositionen in der Tradition von Webern, Bartók oder Satie. Der Eindruck wird durch die Tatsache verstärkt, dass sie sich stark von einander unterscheiden, eher im Kontrast als in einem Zusammenhang zu einander stehen. Der Bruch ist ohnehin eins der ästhetischen Mittel, derer sich Meredith Monk gerne bedient – in der Melodieführung ebenso wie in der Klanggestaltung oder im rhythmischen Verlauf. Monks Musik ist stets und so auch in diesem Werk in höchstem Maße gestisch. Man könnte behaupten, sie sei das musikalische Gegenstück zum Tanz einer Lucinda Childs.

 

Es ist ja eine junge Generation nachgewachsen, die erneut entdecken könnte, was es jenseits der gängigen Strömungen an aufregender Musik gibt. Uraufgeführt wurde das Werk in einem kalifornischen Hochhaus mit einer doppelten Wendeltreppe. Es müsste sich doch auch in Deutschland ein geeignetes Gebäude finden lassen. Dann fehlt nur noch die Einladung.


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