Während man bei The Red Shoes und The Sensual World trotz des starken individuellen Ausdrucks unverkennbar den musikalisch-technischen Geist der Zeit hört (will heißen: schreckliche Spätachtziger-Sounds), klingen die neuen Versionen dank Analog-Technik wärmer und weicher. Die neuen Arrangements sind reduzierter, jazziger und subtiler, aber auch weniger rockig und aufdringlich als ihre »Vorfahren«. Kate Bushs Gesang klingt reifer, aber keineswegs weniger facettenreich als früher.
Ob das Experiment Director’s Cut nun gelungen ist? Nicht dass Kate Bush über jede Kritik erhaben wäre, aber diese Frage stellt sich nicht. Viel zu spannend ist das Projekt, viel zu hoch die musikalische Qualität. Außerdem hat jeder Bush-Kenner längst seine eigenen Bilder und Erinnerungen zu den Liedern im Kopf: Dem einen verdirbt das Album alles, dem anderen gehen zum ersten Mal die Augen auf. Doch Director’s Cut ist auch für Bush-Einsteiger (wie den Rezensenten) spannend, denn die Kate Bush von heute setzt sich mit soviel Kreativität, Respekt und Unbefangenheit mit der Kate Bush von damals auseinander und sie begreift, dass die Gefühle, Gedanken, Melodien von damals immer noch fest zu ihr gehören.
