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Donnerstag, 24. Mai 2012 | 00:29

Kate Bush: Directors Cut

26.05.2011

Reloaded, revisited ... whatever!

Das hat JOHANNES DOBROSCHKE so auch noch nie gehört: Ein ganzes Album mit überarbeiteten alten Songs. Bei vielen altgedienten Künstlern ein Albtraum, aber dieser Director’s Cut ist zum Glück von Kate Bush.

 

Kate Bush ist in der heutigen Pop-Landschaft derart einzigartig, dass sie in einer gewöhnlichen Plattenkritik wie dieser hier fast ein wenig fehl am Platz wirkt. Sie lässt ganze Dekaden zwischen zwei Alben vergehen und ist weder das Überbleibsel eines bestimmten Mode-Genres, noch eines bestimmten Jahrzehnts. Sie ist Gesamtkunstwerk und gleichzeitig Vollblutmusikerin, ist untouchable und trotzdem irgendwie britisch geerdet. Dieses Aus-der-Zeit-Gefallen-Sein verschafft ihr gerade heute ein unheimliches Renommee, man schaut zu jemandem auf, der es sich traut den Common Sense zu ignorieren ohne eine große Sache daraus zu machen.

 

Mit ihrem neuen Album Director’s Cut bastelt Kate Bush fleißig weiter an ihrem eigenen Mythos, wobei man ihr wohl keine Berechnung vorwerfen kann. Director’s Cut enthält ausschließlich überarbeitete Songs aus den Alben The Sensual World von 1989 und The Red Shoes von 1993. Kate Bush hat alle Songs noch einmal neu eingesungen, einige Instrumente wurden neu eingespielt, einige Spuren wurden aus den Original-Bändern übernommen, andere gelöscht. Teilweise ergänzen völlig neue Liedteile und Instrumental-Arrangements das ursprüngliche Song-Layout.

 

Während man bei The Red Shoes und The Sensual World trotz des starken individuellen Ausdrucks unverkennbar den musikalisch-technischen Geist der Zeit hört (will heißen: schreckliche Spätachtziger-Sounds), klingen die neuen Versionen dank Analog-Technik wärmer und weicher. Die neuen Arrangements sind reduzierter, jazziger und subtiler, aber auch weniger rockig und aufdringlich als ihre »Vorfahren«. Kate Bushs Gesang klingt reifer, aber keineswegs weniger facettenreich als früher.

 

Ob das Experiment Director’s Cut nun gelungen ist? Nicht dass Kate Bush über jede Kritik erhaben wäre, aber diese Frage stellt sich nicht. Viel zu spannend ist das Projekt, viel zu hoch die musikalische Qualität. Außerdem hat jeder Bush-Kenner längst seine eigenen Bilder und Erinnerungen zu den Liedern im Kopf: Dem einen verdirbt das Album alles, dem anderen gehen zum ersten Mal die Augen auf. Doch Director’s Cut ist auch für Bush-Einsteiger (wie den Rezensenten) spannend, denn die Kate Bush von heute setzt sich mit soviel Kreativität, Respekt und Unbefangenheit mit der Kate Bush von damals auseinander und sie begreift, dass die Gefühle, Gedanken, Melodien von damals immer noch fest zu ihr gehören.

 

 

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