Der 1969 geborene Felix Kubin hat bereits mit 12 Jahren Synthie-Pop-Entwürfe im Stile schräger Vorbilder wie Der Plan ausgelebt. In der Folge hat er sich als (Film-)Musiker und vor allem auch als Hörspielmacher einen Namen gemacht. Seit 1989 betreibt er zudem das Label Gargarin. Der 50. Jahrestag der historischen Erdumrundung, die seinen Inspirator Juri Gargarin zum Helden der Sowjetunion machte, sollte Anlass genug sein, hier mal mitzufliegen.
Ein herrlicher Einstieg in Gargarins Universum bietet sich durch die Wiederveröffentlichung von Max Goldts L´eglise des crocodiles an, ursprünglich als Mini-LP im Jahre 1983 erschienen. Goldt ist in erster Linie für seine Bücher und Hörspiele, manchen auch durch seine Titanic-Kolumnen, bekannt. An seine frühen musikalischen Großtaten erinnern sich wohl überwiegend Leute, die ihren Führerschein schon lange (nicht mehr) haben. Dabei sind natürlich Foyer des Arts hervorzuheben. Aber auch solo beglückte er die Menschen mit seinen eigentümlichen Heimwerker-Sounds, die gerne mit genialem Dilettantismus beschrieben werden. Herrlich schräg und von scharfsinnigem Humor sind die Kleinode aus Goldts Frühphase. Er nutzte ein Instrumentarium, mit dessen Hilfe sich u.a. mit präparierter Gitarre und Zither und der von ihm entworfenen Rubbermind Methode ein ganz eigenes Klangbild ergibt. Auch nach knapp 30 Jahren haben die Miniaturen ihre individuelle Aura behalten.
»Ich rauche tausend Zigaretten/das ist die kritische Distanz/ ich lebe von Beobachtung/ Dort stehen Biggi, Torsten und Hans/ Ich wend mich ironisch schmunzelnd ab/ Das ist die kritische Distanz/ zu Biggis Brust und Torstens Schwanz« …
heißt es im Song mit dem schönen Titel Kontakt zu jungen Menschen. Die verstörenden und verzaubernden Texte sind zentral, aber auch die Musik weiß zu gefallen. Während die symbolische Nachbarin an Foyer des Arts erinnert (die LP Von Bullerbü nach Babylon sei an dieser Stelle empfohlen), kann man in Dance with uncle Joe durchaus bereits eine Art Proto-Techno erkennen. Die ursprünglich in schlichter, unbedruckter PVC-Hülle erschienene EP wird nun mit zusätzlichem, bisher unveröffentlichtem Material aus den Jahren 1982/83 ergänzt und kommt mit großartigem Coverartwork, das auf Photos aus dem Erscheinungsjahr basiert.