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Donnerstag, 24. Mai 2012 | 00:36

Kurzpässe

09.06.2011

Alles Überflüssige über Bord!

Angetäuscht oder Ausgepielt? Abseits oder Volltreffer? Asche oder Rasenplatz? DAVID EISERT hört Platten und fragt sich: Spielen sie in der ersten Liga? Oder doch nur in der Kreisklasse?

 

Everything I Touch I Break, ein Bewerbungsslogan für den just frei gewordenen Platz als neuer Terminator? Wohl nicht, viel mehr einer der üppigen Hits auf dem neuen Album Trouble Magnet von The Elektrocution. In etwas über einer halben Stunde geben sich die Jungs ausgesprochen cool und weltmännisch. Rock und Beat sind ja längst keine Schimpfworte mehr, die Strokes oder Mando Diao füllen die Arenen und The Elektrocution bringen die Clubs auf Betriebstemperatur. Weil noch wild und ungestüm, laut und roh. Sehr zu empfehlen.

 

Das britische Trio Young Legionnaire verzeichnet zwei bekannte Namen in seinen Reihen. Gordon Moakes von der Bloc Party und Paul Mullen von The Automatic haben ein gemeinsames Projekt am Start, um für eventuelle Auflösungserscheinungen ihrer Hauptbands gewappnet zu sein. Auf ihrem Debüt Crisis works versuchen sie sich weit abseits von erwarteten Sounds zu positionieren und drehen die Verstärker mächtig auf. Die ersten Songs gehen stark in die Richtung des momentan schwer angesagten proggigen Neu-Metals. Hektisch, treibend und voller Effekte. Im Laufe der Scheibe wird die Verzerrung der Instrumente zurückgenommen und der Sound mehr auf die drei Instrumente Bass, Gitarre und Schlagzeug konzentriert. Die Klammer, die alles zusammenhält, ist Mullens Stimme, die gerne an Brian Molko erinnert. Insgesamt passen Placebo ganz gut als Referenz. Auch wenn hier (noch) ungestümer zu Werke gegangen wird.

 

Wer seit Jahren auf ne Nachfolge zu den verschollenen Drugstore (deren Album White Magic For Lovers hätte 1998 was reißen sollen) wartet, der wird an Francesca Lagos Album Siberian Dream Map seine helle Freude haben. Die eindringliche, zuweilen ätherische Stimme der jungen Italienerin arbeitet sich an Songs zwischen Pop und Noise ab. Ein Cello ist fester Bestandteil der Band und erweitert die klanglichen Möglichkeiten einer üblichen Indieband. Es geht oft düster und getragen zu Werk, wer von Sibirien träumt, der hat naturgemäß eher wenig Karibikfeeling im Sinn.

 

 

An ausgewählten Plätzen dieser Welt fühlt man sich dem Himmel ganz nah. Ob das in Australiens Blue Mountain Region auch so ist, kann ich nur mutmaßen. Jedenfalls fühlten sich die vier jungen Aussis dazu inspiriert, ihre Band Cloud Control zu taufen – nachdem sie sich wacker in einem Bandwettbewerb an der Universität zu Sydney geschlagen haben. Ihr Debüt Bliss Release klingt wunderbar entspannt, unverbraucht und hoch souverän. Genau richtig für die Fahrt zum Badesee oder zum Picknick. Akustikgitarren, mehrstimmiger Gesang, Tamburin, Orgel, Handclaps, die Musik der 60er und 70er Jahre sind als Inspirationsquellen deutlich rauszuhören. Passt auf dem MP3-Player wunderbar zu den Fleet Foxes und zu Rotwein und langen Sommernächten unter wolkenlosem Himmel.

 

Das Bremer Label Gunner Records hat sich mit der Lizenzierung der Band Title Tracks nen ganz dicken Fisch an die Angel geholt. John Davis aus Washington DC hatte im Jahr 2008 keinen Bock mehr auf seine alten Bands Q and not U und Georgie James und fing an, solo Musik zu produzieren. Seine ersten, fast ausschließlich im Alleingang eingespielten Songs auf It Was Easy werden nun zusammen mit dem zweiten Streich In Blank auf den Markt geworfen. Dies ist nicht widersprüchlich, denn man kann beide Veröffentlichungen getrennt voneinander betrachten. Die Aufnahmesessions zu It Was Easy datieren auf das Jahr 2009 und John Davis lebt hier seine Vorliebe für gut gelaunte Powerpop-Songs aus. Erinnert manchmal an The Jam, CCR oder ähnliche Schlaggitarrenkapellen und der tailliert geschnittene Anzug mit schmaler Krawatte sitzt wie angegossen. Für In Blank wird die Garderobe gewechselt. Die speckigen Jeans, labbrige T-Shirts, wenig gepflegte Schuhe und Parkas passen deutlich besser zu dem Sound hier. Als Threepiece wurden im November 2010 elf wenig produzierte dafür umso direktere Songs eingespielt. Alles Überflüssige ging über Bord und übrig bleiben der treibende Rhythmus, eine variantenreiche Gitarre und eine Stimme, die souverän den Hörer mitnimmt. Wenn man sich entscheiden müsste, dann greift man zu beiden Scheiben!

 

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