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Donnerstag, 24. Mai 2012 | 00:39

Toms Schnellgericht

09.06.2011

Ruhige Töne, bärtige Söhne

Eher unspektakulär geht es auf den folgenden Tonträgern zur Sache. Was noch nichts über die Qualität aussagt… sagt TOM ASAM.

 

Wie so oft, macht ein Buchstabe schon einen Unterschied (remember: Obama/Osama), der dann aber oft nicht so groß ausfällt, wie gedacht. Zur Erklärung bzw. Erinnerung: Scott Matthew ist ein Australier, der in New York lebt und singt, er wird gerne verwechselt mit dem Engländer Scott Matthews. Beide sind Singer/Songwriter, von Nick Drake und Vater/Sohn Buckley haben natürlich auch beide schon mal gehört. Der Mann mit ohne »s« hat in Sachen Hipness wohl die Nase vorn. New York, wie gesagt, prominent vertreten auf dem Soundtrack der Gender-Erotik-Komödie Shortbus, dazu neo-folkige Langbart-Visage und Ukulele-Abusus (eher schon wieder durch, oder?). Seine intimen Stücke, vorgetragen mit etwas weinerlich-androgyner Stimme, bringen den einen zum Weinen, den anderen zum Gähnen, den nächsten zum Schreien. Vertonter Trennungsschmerz, Lieder über Anfang und Ende der Liebe. Nichts gegen einzuwenden, bei mir stellen sich im Falle Matthew (auch live on stage)aber beim besten Willen keine Nackenhärchen auf.

 

Joseph Parsons ist ein Überzeugungstäter. Seit Jahren ist er bei Blue Rose Records (Steve Wynn, Rich Hopkins) unter Vertrag und für Roots Rock und Americana bekannt. Unter den Namen US Rails und Parsons/Thibaud wird er weiter bei der Blauen Rose beheimatet sein, solo bzw. als Joseph Parsons Band geht er neue Wege. Auch auf Hope for centuries stelle er seine tolle Baritonstimme vor allem in den Dienst der Harmonie. Seine Songs über Liebe, Verrat und weitere jedermann bekannte Lebensausschnitte bieten einen schnellen Zugang, ohne sich  in Beliebigkeit zu verlieren. Er wählt einfache Worte, die schwarz auf weiß gelesen fast banal wirken mögen, im Fluss der Melodie und zwischen seinen Stimmbändern aber eine neue Wirkung entfalten. Frühere soundtechnische Experimente entfallen auf dieser Produktion, sind auch gar nicht von Nöten. Ob Springsteen-Anleihen (Roman & Michael) oder  die Sprechgesang nutzende  Bearbeitung eines irischen Gedichts (broken vows), Parsons verbindet Songwriter-Talent mit einem untrüglichen Gespür für Melodie. Unspektakulär und gekonnt.

 

Unglaublich: Roedelius schon wieder! Piano Piano - pianissimo, sprich sehr leise – diesmal. Zum wiederholten Male verließ sich Hans-Joachim Roedelius auf dem ursprünglich 1991 veröffentlichten Album alleine auf die Macht der schwarzen und weißen Tasten. Früher gerne getroffene Vergleiche mit Satie greifen auf Grund der fehlenden Formstrenge (auch) hier zu kurz. Ein meditativer, ambienthafter Charakter der Musik ist hier allerdings vorhanden, doch lohnt ein aufmerksames Hören unbedingt. Piano Piano wäre als Begleitrauschen etwas verschenkt, kann man es doch, ohne dass der spirituelle Zeigefinger hier von Nöten wäre, wunderbar nutzen um in andere Welten – bzw. andere Sphären der einen Welt – abzutauchen. Märchenhafte Töne mit der Kraft, die innere Welt der Träume als Quelle anzuzapfen.

 

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