Irgendwann Anfang der 2000er Jahre begann das bis dato immer innovative gewesene Genre des Post-Rock zunehmend generischer, uninteressanter und ideenloser zu werden. Paradoxerweise schossen im Folgenden jedoch nur immer mehr Bands aus dem Boden, die sich am Sound ihrer Wegbereiter abarbeiteten und der Musikrichtung weder originellere noch künstlerisch wirklich wertvolle Impulse gaben. Am Anfang der 2010er Jahre nun liefern Jeudah mit ihrem Debüt While We Sleep eine Platte ab, die immerhin von einer Seite aus betrachtet wirklich interessant ist: An ihr lässt sich perfekt nachvollziehen, was genau schiefgelaufen ist in den letzten Jahren.
Als die ersten Post-Rock-Kombos wie Tortoise in der Mitte der 90er des letzten Jahrhunderts maßgebliche Alben veröffentlichten, bestachen diese durch aufgebrochene Songstrukturen, Einsatz von Dissonanzen, Klangcollagen und Soundscapes, dem Wegbleiben von Vocals und nahezu epischen Längen in Songs, die noch mit traditionellen Rockinstrumenten gespielt wurden, aber kaum noch Parallelen zum Mainstream der Grunge-Ära aufwiesen. Stattdessen bediente man sich lieber in anderen Genres, Krautrock, Jazz oder elektronische Musik wurden zu etwas völlig Neuem zusammengesetzt.
Irgendwann kam der Durchbruch des Genres, das erst durch Musikkritik und Fans zu einem gemacht wurde: Eine deutlich definierbare Schnittmenge war kaum vorhanden, anfangs jedenfalls nicht. Irgendwann bildete sich die Szene aus sich selbst heraus und expandierte wild, klonte sich konstant. Auf die Erfolge von Mogwai, Godspeed You! Black Emperor und Explosions In The Sky folgten zahllose Epigonen. Der Trend ging nicht mehr zum Experiment, sondern zunehmend zu Harmonie, überproduzierter Wuchtigkeit und melancholisch überdehnten Gänsehauteffekten. Spätestens mit Sigur Rós war auch der Gesang wieder en vogue, in den letzten Jahren lehnten sich einige Genrevertreter zunehmen dem Pop zu.