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Donnerstag, 24. Mai 2012 | 00:41

Mikroboy: Eine Frage der Zeit / JONA:S: Grau

16.06.2011

Immer auf der Suche

Graue Zeiten? Die Antwort darauf hängt immer vom Zeitalter, vom Zeitgeist und der Gesellschaft ab. Und natürlich auch vom Lebensalter. Zwei deutsche Bands fühlen hier dem Jetzt auf den Puls – aus Sicht des jungen Erwachsenen. Von TOM ASAM.

 

»Alles Gute bringt der Zufall/ alles Schlechte bringst du selbst/ doch du bist alt genug zu wissen/ dass der gesunde Mittelweg/ Leider nur selten was bewegt/ noch zweimal traurig winken/ und danach im Mittelmaß versinken« heißt es in Herzen aus Holz von Mikroboy. Sinnsuche zwischen Verzweiflung und Mut. Wie kann man mehr sein als ein einzelnes Atom, was heißt es angekommen zu sein? Um wen geht es eigentlich, wer zählt, du oder ich (oder wir alle)? Plumpe Lösungsmuster werden auf den kleinen Indie-Pop-Hymnen, die Mikroboy, versuchen vorzutragen, nicht angeboten. Lass mich irgendwas sein heißt ein Song (andere Songtitel sind in den vorangegangen Sätzen an der Kursivschrift zu erkennen). Dieses  lässt sich natürlich auf die Band übertragen. Wer sind Mikroboy, wer wollen sie sein? Kein Zufall ist es jedenfalls, dass uns hier so ziemlich jede Gesangsmelodie, und auch die Art des Textens sehr stark an alte Bekannte erinnert (die Instrumentierung bleibt dabei leider meist ziemlich uninspiriert und austauschbar, was vor allem für das nichtssagende, lückenfüllende Piano- und Synthiegeklimper gilt). Ach, die Bekannten: Die Band Kettcar. Was ja keine schlechte Referenz ist. Der Versuch allerdings, sich freizuschwimmen und eine eigene Identität zu entwickeln, der aus den Texten hallt, ist Mikroboy (noch) nicht wirklich gelungen.  Kettcar-Sänger und - Texter Markus Wiebusch ist deutlich über 40 Jahre alt und was aus seiner Feder fließt hat mit einer gehörigen Portion Lebens- und Banderfahrung (Punkwurzeln, eine gewisse Haltung gegen den Mainstream…) zu tun. So was kann mich nicht einfach zu kopieren versuchen und gleichzeitig (wie Mikroboy vor einigen Jahren) am Bundesvision Song Contest teilnehmen. Oder doch? Hat das was mit dem Unterschied zwischen zwei Generationen zu tun? Oder hat nicht immer schon jeder seine Vorbilder gehabt, die Zeiten sich aber gewandelt? Vermutlich wird so mancher, der Wiebusch über die Jahre begleitet hat, Mikroboy bzw. deren Gitarristen, Sänger und Texter Michael Ludes mit seinen eigenen Worten entgegnen:

 

»Was willst du eigentlich hier/ willst du eigentlich was von mir/ oder bist du einfach nur so da?/ so wie all die anderen auch/ verzeih mir, wenn ich frag/ weil ich das eigentlich nicht brauche/ weil mir das eigentlich nicht gefällt/ du passt nicht rein in meine Welt/ du passt nicht rein in mein System/  irgendwie unangenehm.«

Gleichzeitig mag der Mikroboy eine Bühne erklimmen und junge Menschen begeistern, für die sich etwas völlig Neues auftut. Eine Frage der Zeit?

 

JONA:S ist eine »frühere Deutsch-Rap Band (…) die sich eine neue Klangästhetik geschaffen (hat), die sich vor vertrackten Beats genauso wenig verschließt wie vor Synthie-Pop Pathos« – so weit das Info zu Grau. Klingt ja einigermaßen abschreckend. Aber auch wenn man nicht unbedingt auf deutschen Sprechgesang mit Pathos, eine arg glatte Produktion und etwas bemüht auf quirlig getrimmte Sounds steht,  kann einem eine gewisse Faszination an dieser 5-Track EP nicht so leicht genommen werden. Das liegt vor allem an den Texten von Jonas Schubert.

 

»Schwarz und weiß sind grau/ und alle andere Farben auch« heißt es hier. Doch das hat nicht etwa mit einfachem Versinken in Verzweiflung zu tun.  Die Zeile davor heißt: »regiert von gelben Idioten mit schwarzer Hilfe von oben, grüne Männer auf den Straßen schlagen rote Chaoten.« Wo es genau hingehen soll weiß Jonas natürlich auch nicht, aber die Augen sind offen und das Großmaulige wird mit Ironie und Stil eine Alternative zum Rumhocken und Heulen. »Du kratzt die Trauerränder von deiner Emoplatte/ und schneidest Löcher in das Logo deiner Lieblingskappe/ und reißt die Fenster auf/ schrei es laut von allen Dächern/ dass du den Längsten hast/ schöner, höher, weiter besser/ nichts außer Bla, doch egal…Hauptsache weitermachen…« Weitermachen, etwas mehr Dreck in den Sound und schauen, was über Albumlänge passiert!

 



 

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