Neben manchen Nachbarn lebt man lieber als neben anderen. Sei es die hyperaktive Party-WG im Stock über einem oder die neugierige Rentnerin von gegenüber - die Geduld wird oftmals gummigleich gestreckt und gedehnt. Umso mehr weiß man Menschen wie Yann Tambour zu schätzen. Seines Zeichens Musiker kann er sich guten Gewissens in die Riege ruhiger Zeitgenossen einreihen.
Auf seinem nun vielmehr zweiten Album Humbling Tides als Stranded Horse finden nur zwei selbstgebaute Koras, Stegharfen mit 21 Saiten aus Westafrika stammend, Einsatz - mehr nicht.
Ihr Klang definiert eine fragile und zerbrechlich zärtliche Grundstimmung, die von der federweichen Stimme Tambours teils auf Englisch, teils auf Französisch in einen erzählerisch wolkigen Stoff aus Melancholie und Küstenromantik gekleidet wird.
Acht Lieder laden so zu einem Spaziergang mit Räucherstäbchen irgendwo an der Küste der Normandie ein. Tambour gelingt es vielseitige Einflüsse zu verarbeiten und traditionelle Folklore mit modernen Folk auf exotischen Instrumenten zu verbinden. Das war es dann aber auch. So nebulös jedes einzelne Stückchen auf Humbling Tides auch daherkommt, so unspektakulär bleibt es zumeist auch. Einzig und allein die Hommage an die legendären Smiths in Form einer Neuinterpretation von How soon is now sollte Erwähnung finden.
Yann Tambour bringt Räume zum schweigen und die Stille zum Lachen. Seine Lieder streben danach allein in abgedunkelten Räumen gehört zu werden. Nichts lärmt und niemand drängt sich auf. Ein perfekter Nachbar um zur Ruhe zu kommen und den Stress des Alltags hinter einer surrealistischen Welt des Nichts zu lassen. Restlos.