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Donnerstag, 24. Mai 2012 | 00:45

Jessika Kenney & Eyvind Kang: Aestuarium

23.06.2011

Spartanische Vielschichtigkeit

Jessika Kenney & Eyvind Kang dürften mittlerweile nicht mehr vollkommen unbekannt sein. Jedenfalls niemandem, der die Linernotes des Sunn O)))-Meisterwerks Monoliths & Dimensions aufmerksam gelesen hat. Die Sängerin und der Violinist geben sich auf der Neuveröffentlichung ihres gemeinsamen Albums Aestuarium aus dem Jahre 2005 jedoch bei weitem nicht so monumental wie bei der Kollaboration mit den Drone Doom-Göttern. Aber auch das Spartanische hat ja manchmal seine Vielseitigkeit, findet KRISTOFFER CORNILS.

 

In weniger als einer halben Stunde nur mit Gesang und Violine wirklich zu überzeugen, dürfte den meisten Musikern schwerfallen. Wenn neben der sparsamen Instrumentierung und der minimalistischen Produktion noch die Tatsache hinzukommt, dass die Songs weitestgehend unisono eingespielt sind und sich die Melodien so in Stimme wie auch Saiteninstrument gleichermaßen wiederfindet, machen es sich Kenney & Kang selbst und dem Hörer schon etwas schwer. Trotzdem langweilt das von Editions Mego auf sattem Vinyl wiederveröffentlichte Album keineswegs, denn unter der spartanisch wirkenden Oberfläche liegt doch viel mehr zu entdecken.

 

Das musikalische Können wird man den beiden jedenfalls nicht absprechen können. Insbesondere Kenney bewegt sich mit ihrer Stimme in anderen Welten. Die ausgeklügelten Melodiebögen, die Einflüsse aus traditioneller gälischer oder auch tibetanischer Musik in schaurigen Lamenti vereinen, beweisen das einzigartige Talent der Ausnahmesängerin. Kang liefert einen mehr als komplimentierenden Violinensound dazu ab, Stimme und Instrument umspielen sich, weichen in nur minimalen Nuancen voneinander ab und sorgen so für ein wesentlich abwechslungsreicheres Hörerlebnis, als es beim ersten Durchlauf von Aestuarium scheinen mag. Der Song Dies Mei wartet dann sogar mit leicht archaischen Zupfeinsätzen und dumpfer Percussion auf, abgerundet von einem Echoeffekt auf Kenneys Stimme, der eine hypnotische Eigendynamik erzeugt.

 

Die fünf Songs brauchen ihre Zeit, sie müssen ihre Wirkung erst entfalten. Wer bei dem reduzierten Setting mit Ethno-Easy Listening für die Räucherstäbchenfraktion rechnet, dürfte enttäuscht werden. Nicht aber wird der Hörer enttäuscht, der sich auf die Kompositionen einlässt, genau hinhört und die Wirkung der Stücke abwartet. Aestuarium hat viel zu bieten, mit jedem neuen Durchlauf.

 

 

 

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