Viele Songs sind jedoch so vollgepackt, dass kein Platz mehr für die Sentimentalität in Ben Gibbards Stimme bleibt. Oder ist diese einstige Schwermütigkeit vielleicht verschwunden, bewusst unter den Teppich gekehrt worden? Beim Hören des letzten Songs Stay Young Go Dancing könnte man dies vermuten. »Life is sweet, in the belly of the beast. With a song in your heart, it can never bring you down«, hört man einen erstaunlich positive gestimmten Gibbard singen. Dazu: der wohlklingende Dur-Akkord einer Akustikgitarre. Da werden auf einmal ganz neue Saiten angeschlagen.
Death Cab For Cutie – Codes & Keys
Death Cab For Cutie: Der Name – ein Songzitat der britischen Beatband Bonzo Dog Doo-Dah Band – war einst Programm. Doch die ehemals sensibelste Indie-Rock-Band ist laut und schnell geworden. Die Stücke ihres neuen Albums Codes And Keys sind so vollgepackt und gehen so poppig nach vorne, man könnte meinen, hier liefe eine Band vor sich selbst davon.
Der klassische Death-Cab-Song – der, mit dem man sich den Herzen der nachdenklichen Indiejünger, der O.C. California-Seth-Cohen-Fans offenbarte – befand sich auf dem 2003 erschienen Album Transatlanticism. Er war einfach gebaut, enthielt eine einprägsame Gitarrenmelodie, war getragen von der Knabenchorstimme Ben Gibbards und hatte eine hoffnungsvoll-melancholische Grundstimmung. Das ganze Album war ein Konzeptalbum über die Höhen und Tiefen der Fernbeziehung. Herauskristallisiert hatte sich der auf Transatlanticism enthaltene, typische Death-Cab-Sound aus den vorigen Lo-Fi College-Rock Alben der Band, die da hießen Something About Airplanes und We Have The Facts And We're Voting Yes. Dazwischen gab es noch das großartige The Photo Album.
Auf den übermäßigen Zuspruch rund um Transatlanticism folgte der ach so verpönte Wechsel zum Majorlabel (Atlantic) und ein erwartbar glattes, poppiges doch keineswegs schlechtes Album (Plans). Vielleicht waren es die darauf dominanten Pianomelodien, die dafür sorgten, dass böse, oder unwissende, Zungen die Band mit den ultra-poppigen Briten von Coldplay verglichen. Mit Narrow Stairs, dem letzten Album, kehrte man der Glätte von Plans im doppelten Sinne den Rücken zu. Zunächst wirkte das Album ungewohnt düster und sperrig, enger und beklemmender als sonst; und man koppelte mit I Will Possess Your Heart eine achteinhalb minütige Single mit Prog-Rock Anleihen aus, die ganz ohne Refrain daherkam. Das Ganze klingt, zugegebenermaßen, nach einer allzu sehr gewollten Abkehr – weg von den schmachtenden Liedern, hin zu, ja, erwachsen-maskulinen Songs.
Das neue Album Codes And Keys ist nun die Abkehr von der Abkehr, ohne jedoch zum Anfang zurückzukehren. Es gibt darauf durchaus erfreuliche Anklänge an den „alten“ Death-Cab-Sound, bloß sind diese Stücke meist von einer Gitarrenwand versperrt – oder von einem knarzenden Synthesizer. Codes And Keys ist ein nämlich ein ungewohnt elektronisches Album. Heißt: verhältnismäßig wenig Piano und wenige Gitarren, die für sich stehen. Der Song Unobstructed View erinnert in gewisser Weise an Gibbards Projekt The Postal Service und bildet die ruhige Mitte des Albums. Die Single You Are A Tourist ist nett anzuhören, hat ein eingängiges Gitarrenriff und den typischen Ben Gibbard-Gesang, den man auf dem Album sonst vergebens sucht.
Das charmanteste Stück des Albums ist allerdings Monday Morning. Der Titel verleitet zu einem kurzen Gedanken an Jarvis Cockers Band Pulp; doch dazu bleibt keine Zeit, denn zum nach vorne gehenden Beat des Schlagzeugs gesellen sich eine herrlich süße Melodie und die schönsten, da selbstreflexivsten Zeilen des Albums: „She may be young, but she only likes old things. Modern music it ain't to her taste.“ Der Höhepunkt des Albums, das, worauf sich das Warten gelohnt hat.
Viele Songs sind jedoch so vollgepackt, dass kein Platz mehr für die Sentimentalität in Ben Gibbards Stimme bleibt. Oder ist diese einstige Schwermütigkeit vielleicht verschwunden, bewusst unter den Teppich gekehrt worden? Beim Hören des letzten Songs Stay Young Go Dancing könnte m
Death Cab For Cutie – Codes & Keys
Death Cab For Cutie: Der Name – ein Songzitat der britischen Beatband Bonzo Dog Doo-Dah Band – war einst Programm. Doch die ehemals sensibelste Indie-Rock-Band ist laut und schnell geworden. Die Stücke ihres neuen Albums Codes And Keys sind so vollgepackt und gehen so poppig nach vorne, man könnte meinen, hier liefe eine Band vor sich selbst davon.
Der klassische Death-Cab-Song – der, mit dem man sich den Herzen der nachdenklichen Indiejünger, der O.C. California-Seth-Cohen-Fans offenbarte – befand sich auf dem 2003 erschienen Album Transatlanticism. Er war einfach gebaut, enthielt eine einprägsame Gitarrenmelodie, war getragen von der Knabenchorstimme Ben Gibbards und hatte eine hoffnungsvoll-melancholische Grundstimmung. Das ganze Album war ein Konzeptalbum über die Höhen und Tiefen der Fernbeziehung. Herauskristallisiert hatte sich der auf Transatlanticism enthaltene, typische Death-Cab-Sound aus den vorigen Lo-Fi College-Rock Alben der Band, die da hießen Something About Airplanes und We Have The Facts And We're Voting Yes. Dazwischen gab es noch das großartige The Photo Album.
Auf den übermäßigen Zuspruch rund um Transatlanticism folgte der ach so verpönte Wechsel zum Majorlabel (Atlantic) und ein erwartbar glattes, poppiges doch keineswegs schlechtes Album (Plans). Vielleicht waren es die darauf dominanten Pianomelodien, die dafür sorgten, dass böse, oder unwissende, Zungen die Band mit den ultra-poppigen Briten von Coldplay verglichen. Mit Narrow Stairs, dem letzten Album, kehrte man der Glätte von Plans im doppelten Sinne den Rücken zu. Zunächst wirkte das Album ungewohnt düster und sperrig, enger und beklemmender als sonst; und man koppelte mit I Will Possess Your Heart eine achteinhalb minütige Single mit Prog-Rock Anleihen aus, die ganz ohne Refrain daherkam. Das Ganze klingt, zugegebenermaßen, nach einer allzu sehr gewollten Abkehr – weg von den schmachtenden Liedern, hin zu, ja, erwachsen-maskulinen Songs.
Das neue Album Codes And Keys ist nun die Abkehr von der Abkehr, ohne jedoch zum Anfang zurückzukehren. Es gibt darauf durchaus erfreuliche Anklänge an den „alten“ Death-Cab-Sound, bloß sind diese Stücke meist von einer Gitarrenwand versperrt – oder von einem knarzenden Synthesizer. Codes And Keys ist ein nämlich ein ungewohnt elektronisches Album. Heißt: verhältnismäßig wenig Piano und wenige Gitarren, die für sich stehen. Der Song Unobstructed View erinnert in gewisser Weise an Gibbards Projekt The Postal Service und bildet die ruhige Mitte des Albums. Die Single You Are A Tourist ist nett anzuhören, hat ein eingängiges Gitarrenriff und den typischen Ben Gibbard-Gesang, den man auf dem Album sonst vergebens sucht.
Das charmanteste Stück des Albums ist allerdings Monday Morning. Der Titel verleitet zu einem kurzen Gedanken an Jarvis Cockers Band Pulp; doch dazu bleibt keine Zeit, denn zum nach vorne gehenden Beat des Schlagzeugs gesellen sich eine herrlich süße Melodie und die schönsten, da selbstreflexivsten Zeilen des Albums: „She may be young, but she only likes old things. Modern music it ain't to her taste.“ Der Höhepunkt des Albums, das, worauf sich das Warten gelohnt hat.
Viele Songs sind jedoch so vollgepackt, dass kein Platz mehr für die Sentimentalität in Ben Gibbards Stimme bleibt. Oder ist diese einstige Schwermütigkeit vielleicht verschwunden, bewusst unter den Teppich gekehrt worden? Beim Hören des letzten Songs Stay Young Go Dancing könnte man dies vermuten. „Life is sweet, in the belly of the beast. With a song in your heart, it can never bring you down.“, hört man einen erstaunlich positive gestimmten Gibbard singen. Dazu: der wohlklingende Dur-Akkord einer Akustikgitarre. Da werden auf einmal ganz neue Saiten angeschlagen.
„Codes And Keys“ von Death Cab For Cutie erscheint am 31.05. bei Atlantic/Warner Music.
an dies vermuten. „Life is sweet, in the belly of the beast. With a song in your heart, it can never bring you down.“, hört man einen erstaunlich positive gestimmten Gibbard singen. Dazu: der wohlklingende Dur-Akkord einer Akustikgitarre. Da werden auf einmal ganz neue Saiten angeschlagen.
„Codes And Keys“ von Death Cab For Cutie erscheint am 31.05. bei Atlantic/Warner Music.