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Donnerstag, 24. Mai 2012 | 03:13

DJ Diamond: Flight Muzik

01.09.2011

Tanzelitarismus mit geringer Halbwertszeit

Elektronische Tanzmusik aus Chicago? Kann ja nur House sein. Aber nein, ist es nicht: ›Footwork‹ heißt der neue Stil, der weniger auf Clubkultur als auf B-Boy-Existenz zugeschnitten ist. Der 24jährige Karlis Griffin alias DJ Diamond legt mit Flight Muzik ein hörerunfreundliches Album vor, das wohl nur bei der fußwerkenden Subkultur auf Erfolg stoßen dürfte. Von KRISTOFFER CORNILS

 

Wer Footwork tanzt, der bewegt die Füße – so weit, so offensichtlich, so gut. Der Oberkörper kommt dabei nicht ins Spiel, er bleibt statisch. Was sich nach einer progressiven Übung aus der Trickkiste eines übermotivierten Fußballtrainers anhört, wird allenthalben als der neueste Trend skandiert. Es dürfte aber einer sein, der den Mainstream verfehlen wird und irgendwie scheint es, als könnte die ganze Subkultur der Footworker am kollektiven Wadenkrampf zugrunde gehen. Denn Griffins‘ Debüt Flight Muzik mag für die Tanzelite ein Heidenspaß sein, hat aber auf längere Frist zu wenig musikalische Substanz, als dass sich DJ Diamonds Sound durchsetzen könnte

 

So ehrenhaft es ist, sich statt stupider Four-to-the-Floor-Beats an einer etwas verschrobeneren Rhythmik zu versuchen, so gefährlich bleibt es nun mal. Der Sound zeigt sich mit seinen Dubstep-Verweisen durchaus trendbewusst und durch die Hinzunahme von Hip Hop- und Funk-Elementen beweist er ebenfalls Traditionsbewusstsein. Aber so recht zusammenlaufen will das nicht und irgendwann kocht die Drummachine über, wenn sie versucht, hektische Hi-Hat- und Snare-Läufe über einen entspannten Midtempo-Beat zu schichten. Was sich in der Theorie komplex anhören mag, klingt eigentlich ziemlich kahl: Außer Percussion bedient Griffin höchstens bis zum Exzess zerhackte und endlos wiederholte Vocal-Samples und hier und da ein paar Akkorde, die seiner Heimatstadt Chicago und ihrer House-Kultur Tribut zollen

 

Flight Muzik ist insofern kein Album für die elektronische Wohnzimmerbeschallung und im Club dürfte es ebenso wenig funktionieren. Der Mainstream dürfte sich daran die Füße verknoten, lediglich die Breakdance-Community würde frohlocken, sollte sie mit Tracks wie Rep Yo Clique oder Down Bitch konfrontiert werden. Wie lange allerdings, das bleibt fragwürdig: Das hochmotivierte Projekt Footwork ist elitäre Bastelarbeit von Beatfanatikern, die Tanzbarkeit schon fast auf der Strecke gelassen hat und ansonsten leider zu wenig Anhaltspunkte bietet. Zündstoff für einen Trend, der schnell wieder vorbei sein dürfte.

 



 

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