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Donnerstag, 24. Mai 2012 | 03:16

The Drums: Portamento

08.09.2011

Surf-Rock zum Kopf-durchpusten-lassen

Es gibt unter Musikliebhabern ein Phänomen: Wird eine Indie-Band zu erfolgreich oder zu bekannt, mag sie irgendwann jeder, und dann ist es nicht mehr cool, sie zu mögen. Natürlich hat das etwas Arrogantes und Elitäres, aber ganz falsch ist es nicht: Je exklusiver etwas ist, desto besonderer kommt man sich vor, einer der wenigen zu sein, die in den Genuss der Sache kommen. Von MARTIN SPIESS

 

The Drums haben mit ihrem gleichnamigen Debüt so eine Welle verursacht, dass sie dasselbe Problem kriegen könnten. Wenngleich es sie wenig kratzen wird, wenn prätentiöse Neuköllner Röhrenjeansschnösel aufhören, ihre Musik gut zu finden – solange dafür die Masse kommt.

 

Was auch kommt: Portamento schafft es problemlos, an seinen Vorgänger anzuschließen, auch wenn es thematisch tragischer ist. Denn während The Drums noch so vor Frische und Kraft strotzte, dass sich etliche Kritiker nicht scheuten, dem Album das Etikett »Surf-Rock« anzuheften, so geht es auf Portamento düsterer zu.

 

An Musik und Sound aber hat sich wenig geändert. So ist etwa der Opener Book of Revelation trotz lockerer Melodie thematisch nicht gerade locker: »I believe, that when wie die, wie die / So let me love you tonight, let me love you tonight.«

 

Auch Track zwei, Days, fällt mit »Days go by / And I never needed you« in diese Stimmung ein, bleibt aber musikalisch so leicht und fröhlich, als würde der Ich-Erzähler gerade im Sonnenschein einen Weißwein trinken. Das zieht sich auch durch die nächsten Songs: »Before I die / I like to do something nice«, singt Jonathan Pierce in der ersten Single Money, nur um im Refrain einzugestehen: »I want to buy you something / But I don’t have any money.«

 

Wie schon auf dem Debüt vermögen es The Drums, die traurigsten Szenen nicht nur musikalisch alles andere als traurig klingen, sondern auch noch tanzbar werden zu lassen: »I would never hate you / But you’re hard to love« heißt es in Hard To Love, der mit Claps und einem brummigen Synthie beginnt. Und im Follower I Don’t Know How To Love macht Pierce dem Albumnamen alle Ehre: Er schleift die Töne bis zur Bluesnotigkeit. »I don’t know how to lo-e-o-e-o-ove«, singt er, und es klingt nicht gerade, als wäre er traurig drüber, dass er nicht zu lieben weiß. Er ist es zwar, aber die Musik lässt ihn das vergessen.

 

In diesem Zusammenhang ist das Etikett „«Surf-Rock« vielleicht gar nicht so falsch: Ohrwurm-Melodien, musikalische Leichtigkeit und Beschwingtheit in selbst den traurigsten Songs. Ja, das Leben besteht aus Enttäuschungen und Schmerz. Und dazu gehört auch, die vormals Indieband plötzlich nicht mehr für sich alleine zu haben, sondern sie mit anderen teilen zu müssen. Aber das muss man so hinnehmen. Und das geht am besten, indem man sich aufs Surfboard schwingt, um sich den Kopf von Wind und Wellen durchpusten zu lassen.

 



 

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