Drei Jahre nach ihrem zweiten Album Konk kommt nun endlich Album Nummer drei. Junk of the heart heißt es, und Nomen ist in diesem Fall Omen. Hier werden sowohl musikalisch als auch textlich herzensmäßiger Schmutz und Abfall verarbeitet; es geht um Drama, Schmerz und Verzweiflung. »Junk of the heart is junk of my mind«, singt Pritchard im vergleichsweise optimistischen Opener Junk of the heart (Happy), also muss er raus, der Müll, in Form von Songs. Und nie waren The Kooks tiefsinniger, melancholischer, nie waren sie besser.
Das Songwriting ist diffiziler und teilweise sogar sanfter geworden. The Kooks erlauben sich, in Time Above The Earth, sogar mal Streicher: Die erinnern einen dann an Edvard Grieg, und ebenso elegisch kommen auch die Lyrics daher. »Will I ever see her again?«, fragt Pritchard, und man ist nicht gerade versucht, ihm Hoffnung zu machen.
All die Stille wird jedoch begleitet von der Art The Kooks, die man von Inside In/Inside Out und Konk gewohnt ist. Aber auch hier hat sich etwas getan. Plötzlich sind da Synthies, wie etwa in Runaway, wo sie die sonst so vorherrschende akustische Gitarre überlagern oder sogar verstummen lassen. Der Song aber bekommt dadurch einen Drive, der genau das unterstreicht, was Luke Pritchard singt: »You make me run away, baby, you make me run away.«
Aber The Kooks haben nicht völlig neue Kleider angezogen für Junk Of The Heart. Is it me erinnert in seiner Rauheit an Naïve, und das liegt, wie so viele der großartigen Songs auf diesem Album, nicht nur an der Instrumentierung. »Is is me, is it you?«, fragt Pritchard, und auch hier findet er keine rechte Antwort. Generell stellt er viele Fragen, so als wäre da jemand, der ihm antworten und vielleicht helfen könnte, den Herzensmüll rauszubringen.
Wer jetzt befürchtet, dass das monothematische Album – noch dazu mit dem wahrscheinlich ältesten Thema aller Zeiten – schnell eintönig wird und einem auf den Sack geht, geht fehl. Ganz im Gegenteil hat die Konzentration auf nur das eine etwas beinahe Heilsames. Die vielen Fragen, die Pritchard in den Songs stellt, haben etwas gemeinsam: Es ist schwer, Antworten auf sie zu finden. Trotzdem hilft es manchmal, sie ausgesprochen – den Müll rausgetragen und recycled – zu haben. Von Song zu Song entsteht dann nicht das »Ach, schon wieder ein Lied über Herzschmerz«, sondern das »Erzähl mir mehr, Luke«. Und wenn die Platte mit dem trotzigen Mr. Nice Gu“ zu Ende geht, macht man genau das: Auf Track eins zurückskippen. Und sich ein weiteres Mal grandios geschriebene Geschichten darüber erzählen lassen, was für eine blöde Sau die Liebe manchmal sein kann. Von einer Band, die es immer noch kann – sogar noch besser als vorher.