So ganz neu klingt das von den ersten sanft pochenden elektronischen Beats von Photographed nun wirklich nicht. Eigentlich klingt das eher nach Neu! Nach verräuchertem Krautrock, etwas repetitiv, aber nicht langweilig. Tritt noch der ruhig croonende Gesang hinzu, rundet sich alles zu einem entspannten Ganzen ab. Inside The Ships ist ein Album, das von Anfang an Spaß macht, nervenberuhigend und trotzdem assoziationsreich daherkommt, die Dialektik von popkulturellem Zitat und innovativem Songwriting unter einen Hut bringt. Ronald Lippok und Bernd Jestram haben eine Menge Erfahrung auf dem Buckel, mit Inside The Ships machen sie, was Albumveröffentlichungen mit Tarwater anbelangt, das Dutzend voll. Zwischen zeitgenössischen, spacigen Klängen und einer guten Prise elektronisch angehauchten Krautrock-Reminiszenzen gibt es keine schmerzhaften Differenzen. Mit dieser Mischung liegen die Musiker eigentlich voll im Trend und natürlich reiben sich die vielen Rückbezüge auf diverse Traditionslinien am heiß diskutierten Retrophänomen. Trotzdem kann man ihnen weder Angestaubtheit noch Trendgeilheit vorwerfen.
Tarwater bringen einfach nur zusammen, was ihnen beliebt und klingen dabei ebenso sympathisch wie innovativ. Das ist ja schließlich Konsens in der Retrodebatte: Solange man mit der Vergangenheit etwas anzufangen weiß, läuft das schon. Und Inside The Ships läuft wirklich, es fließt dahin, dass es eine Freude ist. Mit ordentlich Groove, der nicht mit den mantrahaften Wiederholungen bricht. Mit digitalen Spielereien, die sich geschmeidig an die analogen Instrumente anschmiegen. Im höhepunktlosen Do The Oz kann man die Quintessenz der Platte ausmachen: Schnieker Indietronic-Sound mit Melancholiedimension trifft auf Tron-mäßige Keyboards und ein Saxofon, von dem man nun nicht wirklich sagen kann, ob es digital oder doch real ist. Es bringt den Epochenzwittercharakter von Inside The Ships auf den Punkt – gerade weil es eigentlich nicht einmal von Tarwater stammt. John Lennon schrieb das Stück zusammen mit Yoko Ono. Vergangenheit und Gegenwart sind dank Tarwater nicht mehr als oppositionelle Pole zu denken, die Band führt mit leichtfüßigem Können vor, dass man gar nicht so viel Gewese um musikhistorische Leichenfledderei machen sollte: Da steckt noch genug Neues drin, selbst, wenn sich das nach Neu! anhören mag.