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Donnerstag, 24. Mai 2012 | 03:19

Peter Kernel: White Death Black Heart

15.09.2011

Post-moderner Discofox

»Peter Kernel sind aller Verschrobenheiten und Manierismen zum Trotz eine wirklich interessante Band mit talentierten Mitgliedern«, konstatierte KRISTOFFER CORNILS vor einigen Monaten noch gönnerhaft, nachdem er Il pomeriggio non si sa mai bene cosa fare gehört hatte. Mit White Death Black Heart überzeugt ihn die kanadisch-schweizerische Band nun endgültig.

 

»We don’t care about / having something fast / making something last / building up our past / we don’t care…« – ist das jetzt neo-nihilistische No Future-Gesinnung anno 1977 oder erwartet uns eine schmissige Indie-Party mit Noise-Konfetti? »We don’t care about parties, drugs, fashion, girls, power, people, melody!« Schon setzt die schrägen Gitarrenchords ein und ab da an ist es auch eigentlich egal. Konstatieren wir einfach: Peter Kernel haben ihre Mitte gefunden. Ein Bein im Art Punk, das andere im Indierock überzeugt das Trio von der ersten Minute. Okay, »All I need is… Uh-uh, uh-uh… « ist kein in Stein gemeißeltes Manifest, aber man soll sich ja nicht irreführen lassen: Die wissen genau, was sie da tun. Ein Smasher wie Anthems of Hearts eröffnet den bunten Reigen ja nicht ohne Hintergedanken.

 

  Eingängige Hooks, dissonante Saitenarbeit und das hier und da überraschend ausbrechende Schlagzeug tanzen einen post-modernen Discofox. Klar, da klingt in den punkigen Momenten mal Les Savy Fav an, in den melodiöseren Pretty Girls Make Graves und im Grunde sind einige der zuckeligen Synkopenbeats doch ziemlich nah am Sound von vor zehn Jahren dran – aber Peter Kernel hören sich zuallererst wie Peter Kernel an. Drei Menschen, die eine Überdosis Kunst und Musik intus haben und nun ihr Ding machen, ungeachtet von »parties, drugs, fashion, girls, power, people, melody«. Sängerin Barbara Lehnhoff hat ein Organ, das gleichermaßen strapaziös und strukturierend wirkt, die Songs zusammenhält und ihnen selbst an repetitiven Stellen noch frischen Verve verpasst. Das Spoken Word-Narrativ Tide’s High bekommt so seine Thriller-Qualität. Und wenn dann die Indie-Melancholik von The Captain’s Drunk einsetzt, zaubert der Gesang im poppigen Duett mit der glasklaren Gitarre endgültig Gänsehaut aus dem Nichts hervor, bevor der Song wieder eine ganz andere Richtung nimmt und schließlich vom röhrenden, bassgetriebenen The Peaceful in zügigen Noise-Punk weiterstampft.


So abwechslungsreich und trotzdem authentisch kann das klingen: Ein Album mit Charakter, mit Witz, mit Querverweisen und jeder Menge Spielspaß – was auf der Vorgänger-EP nur ansatzweise aufging, wurde auf White Death Black Heart perfektioniert.

 

 

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