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Donnerstag, 24. Mai 2012 | 03:21

Katzenjammer: A Kiss Before You Go

15.09.2011

Die Freaks sind gegangen

Was verheißungsvoll mit dem ersten Album Le Pop begann, können die vier Norwegerinnen von Katzenjammer auf ihrem Nachfolge-Album A Kiss Before You Go nicht aufrechterhalten. Von MARTIN SPIESS.

 

Wenn man das Debüt Le Pop von Katzenjammer in einem Wort beschreiben müsste, wäre es wohl Freakpop. Akkordeon, shantyeske Riffs und vier Frauen, die weniger sangen als vielmehr sang-quietschten. Auch wenn dieser Satz schon viel zu oft illegitimerweise geschrieben wurde, hier stimmt er: Das hatte man so noch nicht gehört.

 

Jetzt, drei Jahre später, sind sie mit Album Nummer zwei zurück. A Kiss Before You Go heißt es, und nach Abschied klingt es dann auch. Müsste man das Album mit einem Wort beschreiben, ginge das nicht. Es müssten schon zwei mehr sein: »Kein Freakpop mehr.«

 

Es klimpert und klingelt nicht mehr; Rumpeln und Rauschen haben sich verabschiedet und mit Kratzen und Kreischen ist Schluss. All die Extravaganz ihres Debüts haben sie zugunsten eines viel glatteren Songwritings und Sounds aufgegeben.

 

A Kiss Before You Go beginnt mit dem titelgebenden Song, der noch hoffen lässt. Akkordeon, Streicher, Chor und bedrohliche Lyrics, die ebenso bedrohlich gesungen werden, lassen eine Stimmung entstehen, die mit düster kaum zu beschreiben ist.

 

Zurück in Katzenjammerhausen

Dann aber kommt I Will Dance (When I Walk Away), das auch die erste Single ist. »Cause when the laughter’s gone / I know I must be moving on« heißt es da in ungewohnt optimistischer Weise, eingerahmt von kaum erträglicher Feel-good-Musik. Optimistische Töne und Worte gab es zwar schon auf Le Pop, aber nicht in dieser Form und Menge. Denn es geht so weiter: Track Nummer drei ist Cherry Pie, zu dem man des Titels wegen kaum etwas sagen muss. Außer, dass es kaum cheesier geht, als einen Song über Kirschkuchen mit juvenilem Gepfeife und hüpfendem Klavier zu instrumentieren. Es schließt sich der erste Song des Albums an, den man auch so nennen könnte, würde man ihn nicht bald als bemüht alternatives, Tom-Waits-artiges Genesis-Cover erkennen. Land of Confusion eignet sich einfach nicht, um verkatzenjammert zu werden – oder die Damen haben verlernt, sie selbst zu sein. Was es auch ist: Noch schwingt da nichts.

 

Erst Lady Marlene, Song Nummer fünf, gemahnt an die irritierend-träumerischen Klänge des Debüts. Ein bisschen Klavier, Streicher und Hintergrundchor und schon ist man wieder da, in Katzenjammerhausen: »Where is the love?« singen alle vier sehnsuchtsvoll und man ist versucht, die Frage zurückzugeben: Wo ist die Liebe des Debüts hin, ihr Lieben?

 

Schal, bitter, altgeworden

Leider ein bisschen zu passend gibt der nächste Song »Rock-Paper-Scissors« die Antwort: »Rock, paper, scissors / Which one is it? / It’s your decision / And no matter what you choose / You’re gonna live it!« Das ist wohl als nachdenklicher Kommentar auf die Schwierigkeiten der Entscheidungsfindung gemeint, ist aber schlicht peinlich.

 

Die Liebe zum Anderssein, so dämmert es einem schließlich, ist tot. Oder gegangen, was aufs Selbe hinausläuft. Zurück bleibt ein schales Gefühl, eine bitter-melancholische Enttäuschung, darüber, dass er auch an Katzenjammer nicht vorübergegangen ist: Der Prozess des Älterwerdens und der daraus resultierende Impuls, sich zu überdenken. Sich glatter zu machen, mainstreamiger, leichter zu konsumieren. Die Freaks, die sie noch auf ihrem Debüt waren, sind gegangen.

 



 

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