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Donnerstag, 24. Mai 2012 | 03:24

The Waterboys: An Appointment with Mr. Yeats

22.09.2011

Lyrischer Tauchgang

Mike Scott erfüllt sich seinen Traum eines künstlerischen Aufeinandertreffens seiner Songwriter-Kunst mit Yeats Gedichten über Albumlänge. Von TOM ASAM.

 

Mitte der 80er Jahre gab es Kritiker, die in den Waterboys eine Konkurrenz zu U 2 sahen. In der Tat waren die Wasserjungen um Sänger Mike Scott in der zweiten Hälfte jenes Jahrzehnts mit ihrer ganz eigenen Mischung aus Folk und Pop auch kommerziell sehr erfolgreich. Doch Scott ist (glücklicherweise) kein Bono. Zum einen sah er frühzeitig die Schattenseiten des Superstardoms, zum anderen ist er nicht einer, der sich selber so verdammt gerne reden hört. Was leicht daran festzumachen ist, dass Scott  früher schon nicht nur Yeats-Gedichte mit Noten verband, sondern auch Gedichte von anderen Lyikern wie Robert Burns, James Stephens oder Kenneth Grahame vertonte. Doch Irland im allgemeinen und Yeats im speziellen scheinen ihm schon besonders am Herzen zu liegen. Über die Jahre hat er Stücke angesammelt, die auf Schriftstücken des Nobelpreisträgers von 1923 basieren. Nun hat er sie mit einer erweiterten Waterboys- Konstellation zu einem ganzen Album verarbeitet.

 

Verstärkung erfährt die Truppe durch Fiddler Steve Wickham, die irische Sängerin Katie Kim, die Multiinstrumentalistin Kate St. John, die Flötistin Sarah Allen und den Posaunisten Blaise Margail. Alben mit thematischen Aufhängern – das Wort Konzeptalbum mag man schon gar nicht in den Wort nehmen – wirken ja gerne mal arg gewollt und gestelzt. Doch Scott gelingt es, ein beeindruckende Synthese zu erschaffen. Man hat den Eindruck, die Worte seien gerade erst geschrieben worden, so sehr schmiegen sie sich um seine Arrangements. So dürfte eigentlich weder ein Waterboys- Fan hier was zu meckern finden, noch Yeats-Jünger mit etwas Interesse an Popmusik einen Grund  finden, sich zu beschweren. Einzig diskussionswürdig ist vielleicht das Soundbild. Den Mystitizsmus und Spiritualismus, den Yeats in seinen Werken transportiert, die Preisungen der Naturschönheiten und die Umsetzungen des  keltischen Pantheismus, könnte ich mir soundtechnisch etwas weniger glatt verpackt gut vorstellen. Aber das ist Geschmackssache, und Scott ist nun einmal gewisser Maßen ein Kind der 80er Jahre.

 

 

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