Andrea Maria Schenkel: Finsterau David Small: Stiche. Erinnerungen "Bacon Talks": Frankfurts Schauspielintendant Oliver Reese schreibt ein Stück und inszeniert Eli Pariser: Filter Bubble Der FUTTERblog - streng verdaulich! Kennzeichen T - 28.04.2012
Donnerstag, 24. Mai 2012 | 03:27

Strange Attractor: Anatomy Of A Tear

29.09.2011

Synthetisches Nachschattengewächs von einem Meisterwerk

Strange Attractor? Dieses Sideproject von Legendary Pink Dots beziehungsweise Phallus Dei? Auf dem neuen Album zusammen mit Jarboe (wenn der Groschen nicht fällt: ehemals Swans), David J – also, jetzt der von Bauhaus? Und Graham Lewis von Wire? Blaine L. Reininger von Tuxedomoon? Wer mit dem extensiven Namedropping etwas anfangen kann, der wühlt bereits fieberhaft im Plattenladen nach Anatomy Of A Tear. Für wen das allerdings böhmische Dörfer sind, der sollte ganz dringend die Wikipedia-Nachhilfebank drücken. KRISTOFFER CORNILS über ein Album mit Starbesetzung.

 

Und wer das Werk von Strange Attractor, also Niels van Hoorn und Richard van Kruysdijk kennt, der weiß, dass jetzt noch mehr Namedropping notwendig ist. Also Augen zu und durch: Moderner Jazz mit der Extraprise Film Noir-Feeling, Dark Wave, Synthie Pop, Downbeat, psychedelischer Goth-Rock und – ja, belassen wir es dabei. Alles drin, versprochen. Von den ersten instrumentalen Rhythmusschmankerln an elektronisch-organisch-rockigen Sounds bis zur letzten Sekunde des Titeltracks lassen Strange Attractor kaum etwas aus. Trotz der zahlreichen Gastauftritte präsentiert sich das Kollektiv mit solcher Selbstverständlichkeit als natürlich zusammengewachsene Band, dass man kaum anders wird können, als den Künstlerinnen und Künstlern tiefsten Respekt zu zollen.

 

Einige der Songs werden von der sinnlich-rauchigen Stimme Marie-Claudine Vanvlemens mit dem perfekten Schliff versorgt, sie lässt das angemessene Mitternachtsfeeling aufkommen. Das Saxofon jault ab und zu auf, Reininger croont sich durch ätzende Melodien, Jarboe verliert sich fast in ihrem eigenen Echo – genau das richtige für eine nächtliche Autofahrt, durch die entlegensten Winkel einer Berglandschaft vielleicht. Dann knarzt ein synthetischer Beat rein und ein unheilvoller Bass rollt in Iron Horse durch »Ba ba ba Barcelona«, bevor der Batcave-Held David J über siebeneinhalb Minuten über das dunkelromantische New Wave-Stück The Corridor eine rätselhafte Coming-Of-Age-Geschichte erzählt. Irgendwie ist das alles ein bizarrer Mischmasch aus so vielen verschiedenen Künstlerinnen und Künstlern, Stilen und Sounds – und irgendwie könnten wohl nur die Masterminds hinter Strange Attractor das wirklich überzeugend bündeln.

 

Alles Namedropping mal beiseite: Anatomy Of A Tear hat seinen Fuhrpark von Prominenz gar nicht nötig, um zu überzeugen. Es ist ein synthetisches Nachschattengewächs von einem Meisterwerk, das nur noch sprachlos machen kann.

 



 

| kommentar schreiben

Name:
Kommentar:

Götter verstehen keinen Spaß

Wenn Shakespeare sich in der griechischen Mythologie bedient und den blindes Seher Tiresias zum Helden eines seiner Stücke gemacht hätte, der Inhalt hätte durchaus so aussehen ...

»Die Wahrheit ist ein scheues Kind ...«

Mit dem Roman Tannöd begann 2006 die erstaunliche Karriere der Andrea Maria Schenkel. Der Nachfolger, Kalteis (2007), bewegte sich noch ganz im Dunstkreis des erfolgreichen ...

Verstaubt ohne Ende

Bullenklatschen ist ein irreführender Titel, aber er provoziert – das ließe sich genauso über den Film sagen. Provozierend das Personal: eine Anarcho-Fete. Jedenfalls ...

No sleep till Pixel

Auf einem gewissen Panel der diesjährigen re:publica lief RUDOLF INDERST dem Berliner Dennis Liebzeit ...

Gegen die Dominanz des Beliebten

Nach Amazon (1997) und Google (2004) geht nun mit Facebook das dritte Internet-Schwergewicht an die Börse. Häufig liegen die drei Unternehmen mit der Entwicklung neuer Techniken ...

»Scheißwald, Scheißnatur, ey!«

Leicht grenzwertig diesmal, möchte man meinen. Setzt das gewöhnliche Schema von Mord, Aufklärung, Festnahme etwa Schimmel an? Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) geht dem Hinweis auf ...