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Donnerstag, 24. Mai 2012 | 03:38

Edward van de Vendel / Anoush Elman: Der Glücksfinder

14.11.2011

Was Politik in einem privaten Leben anrichten kann

Hamayuns Probleme mit den Taliban und der ersten Liebe. Anoush Elman und Edward van de Vendel erzählen die Geschichte einer Flucht. Von GEORG PATZER

 

»Jemanden in einem fremden Land zu küssen, ist doch ein bisschen kompliziert«, schreibt Hamayun in einer SMS an Yuliya. Da war ihm gerade alles über den Kopf gewachsen: die Sorgen um den Vater, der wieder einmal im Gefängnis sitzt, die Mutter, die wieder depressiv geworden war, die Genehmigungen, die Ausweise, die Stempel und Bescheinigungen. Und vor allem die drohende Ausweisung. Und die kleine Liebe.

 

Dabei hatten sie so viel Glück gehabt. Bis nach Holland haben sie es geschafft, Padar, Madar, Hamayun und die beiden Kleinen, und haben sogar seinen Bruder Bashir wiedergefunden. Haben die Strapazen überstanden, ständig irgendwo gewartet, bis sie vom nächsten Schleuser, dem »Knochenträger«, abgeholt und durch fremde Länder und über Grenzen geschmuggelt werden. Ständig neue Freunde gefunden, die sie nie wieder sehen werden. Und dann endlich: Holland. Gelobtes Land. Aber auch die Holländer haben ihre Bestimmungen, auch sie sind manchmal fremdenfeindlich, und die Regierungen ändern immer wieder die Gesetze. Schon gar nach den Anschlägen auf das World Trade Center und den Morden an dem Politiker Pim Fortuyn und dem Regisseur Theo van Gogh.

 

Anoush Elman und Edward van de Vendel erzählen diese verzweigte Geschichte aus der Sicht des heranwachsenden Hamayun, der am Anfang noch wenig versteht von den Taliban, die freies Denken, lange Haare und Bilder verbieten. Das ändert sich schnell, denn Hamayun muss im Eiltempo erwachsen werden: als der Vater abgeholt wird und wochenlang verschollen ist, als er auf die Mutter aufpassen muss, die manchmal »die Augen auf grau dreht« und nicht mehr spricht. Da muss er die Verantwortung tragen. Auch wenn er lieber mit seinem Freund Faisal Bollywoodfilme ansieht.

 

Aber die beiden Autoren erzählen auch von Hamayuns ganz normalen Problemen: von seiner ersten Liebe, Ouassah aus Syrien, der er sich nicht zu nähern wagt, von seinem Glück mit Yuliya, das er selbst zerstört, von seinen Gefühlen, wenn er als junger Schauspieler auf die Bühne kommt, und von seinem ersten Theaterstück.

 

Der Glücksfinder ist ein vielschichtiges Buch, das in einfachen Worten eine dramatische Geschichte erzählt. Und gerade diese Mischung aus naivem Unverständnis, knospenden Gefühlen, wachsender Einsicht und großer Politik, aus aufgezwungener Verantwortung und Verzweiflungsanfällen lässt Hamayun sofort lebendig werden, weckt Mitgefühl und die eindringliche Erkenntnis, was Politik in einem privaten Leben anrichten kann.

Dabei hatten sie so viel Glück gehabt. Bis nach Holland haben sie es geschafft, Padar, Madar, Hamayun und die beiden Kleinen, und haben sogar seinen Bruder Bashir wiedergefunden. Haben die Strapazen überstanden, ständig irgendwo gewartet, bis sie vom nächsten Schleuser, dem »Knochenträger«, abgeholt und durch fremde Länder und über Grenzen geschmuggelt werden. Ständig neue Freunde gefunden, die sie nie wieder sehen werden. Und dann endlich: Holland. Gelobtes Land. Aber auch die Holländer haben ihre Bestimmungen, auch sie sind manchmal fremdenfeindlich, und die Regierungen ändern immer wieder die Gesetze. Schon gar nach den Anschlägen auf das World Trade Center und den Morden an dem Politiker Pim Fortuyn und dem Regisseur Theo van Gogh.

 

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