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Donnerstag, 24. Mai 2012 | 03:38

John Connolly: Das Portal der Dämonen

22.11.2011

Ein entwischtes Engergieteilchen

Über Buchcover lässt sich streiten. Und wahrscheinlich greift ein junger Leser zielsicher nach genau dem Buch, das ein Erwachsener mit einem einzigen Blick auf das Äußere verschmäht.  In diesem Fall hätte der junge Leser Glück und der erwachsene Pech gehabt. ANDREA WANNER spricht aus Erfahrung, denn beinahe hätte sie eines der Highlights des Bücherherbsts verpasst.

 

Dabei beginnt John Connolly seine Geschichte eher ungewöhnlich mit einer kleinen Abhandlung über die Entstehung der Welt im Allgemeinen, dem »Big Bang«, dem Anfang von allem und dem Ursprung des Bösen im Besonderen. Langweilig? Mitnichten! Connolly peppt seine Wissenschaftsgeschichte mit originellen Fußnoten und sehr persönlichen Kommentaren auf. Und wer Kapitel Eins »in dem das Böse entsteht, was ein sehr guter Ausgangspunkt dieser Geschichte ist«, gemeistert hat, darf mit dem eigentlichen Abenteuer beginnen.

 

Es ist der Abend des 28. Oktober und bis Halloween, der Nacht vom 31. Oktober auf den 1. November, sind es noch drei Tage. Ein guter Grund für den elfjährigen Samuel schon mal in sein Gespensterkostüm zu schlüpfen, um von Haus zu Haus gehen und mit seiner »Süßes oder Saures«-Forderung allen anderen Kindern eine Nasenlänge voraus zu sein. Den Nachbarn, Mr Abernathy, überzeugt das wenig und er reagiert mehr als gereizt. Was wirklich hinter Mr Abernathy steckt und was im Keller des Hauses 666 der Crowley Avenue in Biddlecombe geschieht und von Samuel und seinem Hund Boswell beobachtet wird, ist mehr als unglaublich. In jener Nacht, genau um 19:30 Uhr, beginnt das Entsetzliche, findet das Böse seinen Weg zurück in die Welt.

 

Das Böse ist im Kommen

Schuld an der Katastrophe ist ein Leck im CERN, der Großforschungseinrichtung für Kernforschung in der Schweiz. Und was aus diesem Loch in die Welt dringen will, ist so schauerlich und furchterregend, dass man es eigentlich gar nicht genau wissen will. Das Grauen ist abgrundtief, denn kein anderer als ER persönlich, der große Verderber, plant seinen Siegeszug auf der Erde. Alles soll zerstört und vernichtet werden. Und ALLES ist dabei wörtlich gemeint. Zunächst sollen aber Jungs wie Samuel aus dem Weg geräumt werden, die zu viel gesehen haben.

 

Noch passt der großer Verderber selbst allerdings nicht durch das Tor und so müssen vorbereitende Arbeiten von kleineren Dämonen übernommen werden, die sich nicht immer nur geschickt anstellen. Nurd, die Geißel der fünf Gottheiten, ist so ein Dämon – und bei genauerem Hinsehen eigentlich ein ganz netter Kerl. Und so nimmt ein grandioses Spektakel seinen Anfang, bei dem wieder einmal ein kleiner Junge die Welt vor dem Untergang bewahren muss. Und Samuel mag auf den ersten Blick ein bisschen beschränkt gewirkt haben, was in ihm steckt, werden wir noch erleben!

 

Ein Spiel mit Angst und Schrecken

Selten hat ein Autor so gekonnt mit Horror, Schauer und Witz jongliert. Echte Gruselmomente lösen sich in heiteres Gelächter auf, urplötzlich kippen Situationen, was eben noch harmlos erschien, ist plötzlich gefährlich. Und immer mal wieder greift Connolly zu Fußnoten, um Informatives, Originelles und Überflüssiges einfließen zu lassen. Die Geschichte driftet einerseits mehr und mehr ins Skurrile ab, andererseits wachsen einem beim Lesen Samuel und seine Freunde immer mehr ans Herz. Wo soll das alles nur enden?

 

Das verblüffende Spiel mit Physik und Metaphysik, mit Gut und Böse, mit Fakten und Fantasy kommt als Feuerwerk an Ideen daher und endet mit mehreren unvergesslichen Schlussbildern – die nur der Auftakt für weitere, grenzenlose Abenteuer sind. »Hell‘s Bells«, der 2. Band des Abenteuers, ist jetzt auf Englisch erschienen. Eine erste Bekanntschaft mit der Hölle und ihren Bewohnern auf Deutsch wartet jetzt auf wagemutige Leserinnen und Leser, die ausziehen, um zwischen zwei Buchdeckeln das Fürchten und vor allem das Lachen zu lernen (egal wie schaurig das Cover ist!).

 

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