Die unbezähmbare Wildnis der Emotionen
Doyle hat sich für seinen Jugendroman ein schwieriges Thema ausgesucht und versucht, es mithilfe eines komplizierten Bauplans sowohl zu verdeutlichen als auch zu bewältigen. Das gelang ihm nicht zur Gänze, weil die emotionale Entwicklung Gráinnes neben dem aktiv gelebten Winterabenteuer der beiden Jungen zurückstehen muss. Zu groß ist die Lust des Autors an den Schilderungen der Hunde, der Schlitten samt der Fahrttechniken sowie der überwältigenden Schönheit der stillen weißen und doch so gefährlichen Landschaft. Die Lust allerdings teilt sich den Leserinnen und Lesern unmittelbar mit, auch in der Beschreibung der Figuren, ihrem Handeln und in den Dialogen. Hier schaltet und waltet ein begabter Erzähler nach allen Regeln seiner Kunst.
Tatsächlich tut er das auch in der parallel erzählten Geschichte Gráinnes. Die ganz anders gestaltete Atmosphäre dieser Teile aber fühlt sich zunächst fremder an als das abweisende und harsche winterliche Finnland. Seine eigentliche Größe entwickelt dieser Jugendroman nur beim sehr langsamen und sorgfältigen Lesen, etwas, das angesichts der hohen Spannung, die Doyle mit seiner Abenteuerhandlung aufbaut, alles andere als leicht fällt. Nachteilig wirkt sich sicher auch aus, dass der Verlag sich entschieden hat, dieses hochkomplexe Familiendrama als reinen Abenteurerroman für ein recht junge Leserschaft anzupreisen. Eben diese wird geneigt sein, Gráinnes eigentlich ebenso spannende, aber rein emotionalen Abenteuer zu überblättern.
Etwas ältere und geduldigere Leserinnen und Leser dagegen erwartet eine sehr originelle und erstaunliche Geschichte über Familienglück und Familienleid und den Mut, etwas füreinander zu wagen.