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Donnerstag, 24. Mai 2012 | 03:46

John Green: Margos Spuren

11.03.2010

,,... suche mich unter deinen Schuhsohlen"

Quentin und Margo haben ihre Kindheit zusammen in Orlando verbracht. Quasi als Nachbarn. Sie waren neun Jahre alt, als sie gemeinsam einen Toten fanden. Und sie waren 18, als Margo plötzlich verschwand. Quentin macht sich auf die Suche. Von ANDREA WANNER

 

Das Ende der Kindheit war das Ende der Freundschaft zwischen Quentin und Margo. Von da an betrachtete Quentin sie nur noch aus der Ferne, bewunderte sie, war fasziniert von der attraktiven, unangepassten Margo, einem beliebten Mädchen an der High-School. Er vergötterte Margo Roth Spiegelman.

 

Überraschung, Teil 1

Die High-School-Zeit ist fast zu Ende, Quentin hat kein Mädchen für den Abschlussball und deshalb beschlossen, nicht hinzugehen. Plötzlich klopft es nachts an seine Fensterscheibe. Margo holt den verdutzten Quentin zu einer nächtlichen Aktion ab. Genauer gesagt, zu neun nächtlichen Aktionen. Sie beginnen mit einem Einkauf in einem Supermarkt und bereits Margos Einkaufsliste – Margo ist im übrigen eine Verfechterin der spontanen Groß- und Kleinschreibung - ist erstaunlich:

 

„3 große Ganze schellfische, einzeln Verpackt
veet (das ist Zum beine rasieren nur Ohne rasierer: steht bei Den Mädchensachen in Der drogerieabteilung)
vaseline
1 Sechserpack mountain dew
1 dutzend tulpen…“

 

Mit dieser Ausrüstung – und noch ein paar zusätzlichen Dingen – beginnt Margos nächtlicher Rachefeldzug gegen ihren Freund, der sie betrogen hat, ihre Freundin, die ihr nichts davon gesagt hat und einer Reihe weiterer Menschen. Die Aktionen sind ebenso fantasievoll wie gewagt, und Quentin, der brave Mustersohn, gerät an seine Grenzen. Trotzdem macht er mit, fühlt sich Margo so nahe wie nie zuvor. So nahe, wie er sich das immer gewünscht hat.

 

Überraschung, Teil 2

Wer denkt, das wäre der Beginn einer wunderbaren Freundschaft, der irrt. Am nächsten Tag ist Margo weg. Spurlos verschwunden. Nein, Spuren gibt es. Aber die sind so rätselhaft, dass Quentin nichts damit anzufangen weiß. Margos Eltern sind erleichtert: Ihre Tochter hat sie lange genug genervt und mit exaltierten Ausreißversuchen auf Trab gehalten. Endlich ist Margot volljährig und sie können die Schlösser austauschen. So einfach ist das für Quentin nicht. Er will Margo finden, denn die Spuren, die sie gelegt hat, deuten in eine schreckliche Richtung: Sie könnte sich umgebracht haben.

 

John Green hat ein ungleiches Paar auf die Reise geschickt: die wilde Margo und den angepassten Quentin. Da stehen beide nachts auf dem SunTrust Building, dem höchsten Gebäude der Stadt. Quentin genießt die nächtliche Aussicht, den Blick aus großer Höhe auf Vertrautes und Liebgewonnenes: „Es ist schön.“ Und Margo entdeckt dort unten eine künstliche Plastikstadt mit „Plastikfiguren, die in den Plastikhäusern wohnen und ihre Zukunft verbrennen, damit ihnen warm bleibt.“ Gibt es eine Zukunft, für die es sich zu leben lohnt? Oder gibt es sie nicht? Der idealistische Ich-Erzähler ist davon überzeugt. Mit dieser Überzeugung macht er sich auf die Suche, unterstützt von seinen beiden besten Freuden und mit einer rätselhaften Hinterlassenschaft von Margo: Walt Whitmans „Grashalme“.

 

Die Gratwanderung zwischen Pathos und High-School-Klamotte ist gewagt – doch sie gelingt! Der Whitman‘sche Ansatz in seinem Gedichtzyklus, der das Ganze und das Individuelle sieht und miteinander verbindet, wird für Quentin zum Schlüsselerlebnis. Aber Whitman schreibt auch „Und sterben ist anders, als je einer gedacht, und glücklicher.“ Zwischen wilden Partys und Lyrik wird Quentin zum Helden, der weiß, was er will und der zu ahnen beginnt, warum Margo nicht mehr da ist. „Fluchtwege ins Leben und Fluchtwege in den Tod. Beide Wege konnte ich mir gleich gut vorstellen.“ Am Ende macht er sich selbst auf eine Reise: kompromisslos, mutig und zuversichtlich. Zukunft? Quentin glaubt daran.

 

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