Schöne neue virtuelle Welt
Ursula Poznanski verstrickt die Leser äußerst geschickt in ihre Welten, indem sie die Handlung auf zwei Ebenen ablaufen lässt. In der realen Welt erleben wir einen Nick, der durchaus mit beiden Beinen im Leben steht, Freunde hat, ein intaktes soziales Umfeld und dem Spiel noch sehr skeptisch gegenüber steht. Dann gibt es die ersten Risse: Neugier treibt ihn um, er erliegt dem Spiel und gibt immer mehr seiner Prinzipien, seiner Zeit und insbesondere seiner sozialen Kontakte preis, um gegen die anderen Spieler zu bestehen. Hier erleben wir einen ganz anderen Nick als Spielfigur Sarius, der der zunehmenden Macht erliegt, die er sich erkämpft. Das bettet Poznanski als spannende Fantasygeschichte in die Rahmenhandlung, und der Leser erliegt wie Nick dieser martialischen, einfach und übersichtlich geordneten Spielhandlung, die zunehmend die Realität durchdringt und zu einer realen Gefahr für das Gefüge der Schüler untereinander wird. Wohin treibt Erebos seine Spieler, wie weit gehen sie für ihren Sieg, wie weit lassen sie sich manipulieren?
Das erinnert zuweilen an die Mechanismen, die in Morton Rhues Verführungsklassiker „Die Welle“ ablaufen, erhält aber durch die virtuelle Welt noch eine zusätzliche Dimension. Letztlich gelingt es Nick und seinen Freunden, das Spiel zu stoppen, doch zu einem hohen Preis. Die Auflösung, warum das Spiel die Gedanken seiner Spieler aufgreifen konnte, wirkt nachvollziehbar - das ist Poznanski wirklich gut gelungen und erscheint in naher Zukunft möglich. Wenn es tatsächlich so kommt, dann sollten Sie die Computerspiele Ihrer Kinder schnellstens einkassieren und ihnen dieses Buch zu lesen geben. Am besten aber jetzt schon Prävention betreiben!