Ein Fluchtversuch
Zwei Jugendliche aus der Stadt versuchen sich durchzuschlagen: ohne ein Dach über dem Kopf, mit Geld aus einem Deal, das Spinne hätte abliefern sollen, mit ein paar Habseligkeiten in Plastiktüten. Das Handy ist tabu, weil man sie damit orten könnte. Hunger und Kälte machen den beiden zu schaffen, Dunkelheit und Angst vor dem, was sie erwartet, wenn sie geschnappt werden. Wohin sollen sie? Und Jem weiß bereits, dass Weglaufen zwecklos ist, denn Spinne hat nur noch eine Woche zu leben. Eine Woche, in denen beide zum ersten Mal in ihrem Leben irgendwie glücklich sind.
Der englischen Autorin Rachel Ward gelingt es in ihrem Debüt „Numbers“ übersinnliche Fähigkeiten und die Probleme von Teenagern aus einem schwierigen Milieu zu einem packenden Thriller zu verbinden, der sich letztlich an eine große philosophische Frage wagt: Ist unser Leben vorbestimmt? Spinne, der nach und nach von Jems großem Geheimnis erfährt, bringt es fassungslos auf den Punkt: „Dann steht also der Tag, an dem wir sterben, vom Moment unserer Geburt an fest?“ und seine Schlussfolgerung klingt logisch: „Das ist doch, als ob es überhaupt keine Rolle spielt, was ich tu, weil das Ende sowieso immer gleich ist.“ Es ist eine raffinierte Mischung aus Unterhaltung und grundlegenden Fragen, ganz nach dem Konzept von Chicken House, dem neuen Kinder- und Jugendbuchverlag, der erfolgreiche Bücher aus England von neuen Autoren, die außergewöhnlich schreiben und rasant erzählen, auf den deutschen Buchmarkt bringen will.