Eine Geschichte über die Fähigkeit, vertrauen zu können
Mit großer Behutsamkeit zeichnet die Autorin das Porträt eines Jungen, der durch eine lange zurückliegende Familienkrise seine Fähigkeit, Sicherheit bei anderen zu finden, nie vollständig hat entwickeln können. Bird ist ein verhaltensgestörtes Kind, dessen Auffälligkeiten zunehmen, je stärker der Druck, dem er ausgesetzt wird, wächst. Laguna lässt Bird konsequent seine Geschichte erzählen, sie gibt allein seine Wahrnehmungen wieder, seine Einschätzungen und vor allem seine Fehleinschätzungen. Die Welt der Vögel ist ein sehr gut gewähltes und ganz ausgezeichnet eingearbeitetes Motiv, mit dem Birds existenzielle Probleme von Fürsorge, Zusammengehörigkeit und Sicherheit innerhalb einer Gruppe illustriert werden.
Seine Flucht, die fast ein Drittel des kleinen Romans einnimmt, ist eine ebenso spannende wie erschreckend genaue Beschreibung einer nahezu umfassenden Dissoziation eines inzwischen völlig verstörten Kindes von der Realität. Den Gegenpol bilden die einfachen, aber mit großer Intensität geschilderten Erlebnisse der beiden Freunde beim Angeln, beim Radfahren oder einfach beim Beieinandersein.
Es ist ein stilles Buch, das Erzähltempo trügerisch langsam gehalten, so dass die Spannung, die dahinter wächst, die Leserinnen und Leser schließlich fast ebenso unvermittelt trifft, wie die entscheidenden Ereignisse Bird treffen. Die Sprache ist knapp, sehr präzise in der Darstellung bestimmter Gefühlslagen, gelegentlich blüht sie überraschend in poetischer Schönheit auf, wie das plötzliche Auftauchen honiggelben, eisblauen oder tiefroten Gefieders vor dem gedämpften Braun - Grün der Büsche und Bäume.