Markig ins zeitlose Nichts
Gearbeitet wird mit einer einfachen, oft ins Plakative abrutschenden Sprache. Wo die Gefühle versagen, prangen Kurzsätze, die tiefempfunden-markig wirken sollen, aber nur bei sehr anspruchslosen Leserinnen und Lesern verfangen werden. Wer auch nur kleinere Ansprüche an Texte stellt, wird sich an solchen Stellen unbehaglich fühlen, bei höheren Erwartungen wird unweigerlich der Detektor für Sentimentales schrillen.
Richtige Fragen stellt man bei der Lektüre besser keine, was angesichts der gegebenen Faktoren eine echte Unterforderung der Denkfähigkeit jugendlicher Leserinnen und Leser ist. Kein bisschen problematisiert wird z.B. die Rolle der weiblichen Erwachsenen in diesem Roman. Clea Yanakakis nimmt als Mutter wie als Frau eine äußerst diskussionsbedürftige Stellung ein, als Figur bleibt sie aber fest den handelsüblichen Klischees verhaftet. Sie liebt, duldet, leidet, weint, ihre Hilflosigkeit wird durch ihre Schwangerschaft noch unterstrichen, ein erschreckend unzeitgemäßes Frauenbild.
Nicht infrage gestellt wird auch ein ganz anderes Monster, die Gottheit der modernen Welt, das Geld. Schließlich ist es sein Reichtum und die enorme Bedeutung, die Reichtum in unserer Gesellschaft zugemessen wird, die es Yanakakis ermöglichen, zu tun, was er tut. Dieser Reichtum wird einerseits durchaus lustvoll beschrieben. Eine Diskussion der negativen Seite vermeidet die Autorin jedoch tunlichst. Am Ende muss sogar ein Fall von Geisteskrankheit in seinem Stammbaum als Begründung für Rex (nomen est omen!) Yanakakis’ Handeln herhalten. Einmal irre, immer irre. Das ist ein mehr als ärgerlicher Rückfall in die Anfänge des 20. Jahrhunderts.
Dieser Jugendroman hat de facto überhaupt kein Thema, er ist die eindimensional erzählte und vorurteilsbeladene Version der alten Geschichte einer in Not geratenen Gruppe, die immer panischer den Ausgang aus einem Labyrinth sucht, das Monster laut brüllend auf den Fersen. Einige Zeilen T.S. Eliot - die Schlußverse von ‚The Hollow Men’ - als Motto und reichlich Nennungen europäischen Kulturguts, wie Maler und Musiker, werten das Buch auch nicht auf, im Gegenteil.
Der eigentliche Knalleffekt am Ende ist präzise gesetzt und garantiert gruselig. Er öffnet überdies den Weg für eine mögliche Fortsetzung, ein Gedanke, allerdings, der die Jugendbuch-Kritikerin weit mehr zum Schaudern bringt.
Fazit: spannend. Sonst nichts.