Eine Mahnung
Wer den zweibändigen Bestseller Tobie Lolness im Kopf hat und in diesem schmalen Bändchen auf Ähnliches wartet, tut dies vergebens. Wobei bei genauerem Hinsehen der ökologische Aspekt in dem Baum-Abenteuer durchaus zentral war. Nun aber schreibt Timothée de Fombelle einen Appell für die Rettung der Erde, den der französische Titel Céleste, ma planète weitaus deutlicher zum Ausdruck bringt. Er lässt seinen Ich-Erzähler in ein kleines durchnässtes Heft in äußerster Eile diese unglaubliche Geschichte erzählen. Gehetzt, verfolgt, von Angst getrieben sind es nur skizzenhafte Eindrücke, die sich doch zu einem Bild zusammenfügen. Der Vorwurf, es handle sich dabei um Kitsch, lässt sich nicht ganz von der Hand weisen. Wer sich auf diese poetische und fesselnde Liebesgeschichte aber wie auf ein Märchen einlässt, verzeiht dem Autor vielleicht die manchmal etwas platten Vereinfachungen und Klischees und lässt sich auf den leisen Zauber der Geschichte ein.
Julie Ricossé hat die Zeichnungen dazu gestaltet: fremd und bedrohlich, eindringlich und zärtlich. In ihnen spiegelt sich die Geschichte wieder, die Angst, die Hoffnung und die Liebe. Eine düstere Endzeitungstimmung liegt über der Suche nach Céleste und doch gibt es einen Silberstreifen am Horizont: Vielleicht kann noch alles gut werden. Die Zukunft beginnt jetzt – und vielleicht ist der Jahreswechsel Anlass, nicht nur über persönliche Wünsche, Träume und Perspektiven nachzudenken sondern auch unseren Planeten Erde und die Verantwortung, die wir für ihn haben, nicht ganz aus den Augen zu verlieren.
