Scirbopolis - das Paradies für Bibliophile?
Mitnichten, denn auch unsterblich berühmte Schriftsteller sind nur Menschen. Der Ort, an den Odessa gerät, entpuppt sich als ein Jahrmarkt der Eitelkeiten, an dem unter anderen die Herren Kafka, Shakespeare, Flaubert und allen voran der jähzornige, unbeherrschte Dostojewski auch angesichts der Bedrohung ihrer Welt nicht an einem Strang ziehen. Und genau daraus bezieht dieser fantastische Roman seinen Reiz. Die Grundkonstellation ist die gleiche wie in fast allen anderen Genrevertretern, der ewige Kampf um die bedrohte Welt der Guten durch das Böse, aber die Umsetzung ist vielschichtiger, witziger und voll neuer Ideen.
Peter van Olmen verleiht den Göttern des Autoren-Olymp menschliche Züge, die sich in ihren Werken wiederfinden, erweckt literarische Figuren zu neuem Leben und lässt sie agieren zur Rettung Scribopolis‘. Da setzt zum Beispiel Sherlock Holmes seinen kriminalistischen Spürsinn ein, um die noch unbekannte Retterin der Stadt zu identifizieren und kommt der Lösung trotz weniger Indizien erstaunlich nahe. Die Ritter der Tafelrunde schwingen sich zu Heldentaten auf, nur Lancelot ist wegen seiner unerfüllten Liebe zu Guinevere nicht ganz bei der Sache. Und Zitate aus klassischen Werken finden sich immer wieder, teils in amüsant anderem Zusammenhang.