Hauptperson(en)
Eigentlich, so solle man meinen, ist eine 17jährige, die noch keinen Schulabschluss hat und ungewollt schwanger wird, ein ergiebiges Thema für ein Jugendbuch. In der Tat versucht Violaine, sich mit der Problematik auseinanderzusetzen. Ihren Eltern will sie sich nicht anvertrauen, Ratgeberin wird ihre beste Freundin. Was tun? Das Kind bekommen? Sich ein Leben mit der Verantwortung für so einen Winzling vorzustellen, übersteigt ihre Fantasie. Soll sie das Kind abtreiben? Für seine Tötung verantwortlich sein? Was muss man überhaupt in so einer Situation unternehmen? Violaines innerer Kampf, ihre Erfahrungen mit Ärztinnen, Ärzten und Beratungsbehörden berührt, regt auf, macht ratlos. Was ist der richtige Weg?
Und vor diese Entscheidung schiebt sich ein anderes Problem, drängt sich in den Vordergrund und lässt Violaines Geschichte fast verblassen. Es ist die Berufsmüdigkeit und Unzufriedenheit des Vaters, eines arroganten Zynikers, der in Patienten längst keine Menschen mit Schicksalen sieht – sondern die Möglichkeit, in möglichst kurzer Zeit möglichst viel Geld zu verdienen. Um seinen eigenen Gewinn zu steigern, hat er sogar einen jungen Assistenzarzt in seiner Praxis aufgenommen, der all die zeitaufreibenden, nervtötenden Fälle zugeschoben bekommt, auf die Baudoin längst keine Lust mehr hat.
Vianney Chasseloup ist dieser junge, engagierte Kollege voller Enthusiasmus, dem dringenden Bedürfnis, die Welt zu retten und voller Bewunderung für seinen Chef Baudoin. Ein bisschen unbeholfen und naiv, aber mit dem großen Bedürfnis zu helfen, ist er vom ersten Moment an der eigentliche Sympathieträger.