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Donnerstag, 24. Mai 2012 | 04:28

Josephine Angelini: Göttlich verdammt

05.09.2011

Göttliche Liebe

Aufgepasst Edward und Bella, ihr bekommt Konkurrenz! Helen und Lucas sind unsterblich ineinander verliebt, sie sind beide Halbgötter – sogenannte Scions – und sie stammen aus verfeindeten Familien. Doch ihre Liebe darf nicht sein... Von TANJA LINDAUER

 

Die 16jährige Helen Hamilton war irgendwie schon immer anders: Sie ist wunderschön und unglaublich stark, dennoch ist sie alles andere als selbstbewusst. In der Nähe von anderen Menschen fühlt sie sich unwohl und bekommt Magenkrämpfe, sobald sie die Aufmerksamkeit ihrer Mitmenschen auf sich zieht. In der High-School versucht sie, sich unsichtbar zu machen. Ihr Motto: Bloß nicht auffallen! Mit ihrem Vater lebt sie auf Nantucket, einer kleinen Insel vor der Ostküste der USA. Ihre Mutter hat sie verlassen, als sie noch ein Kleinkind war. Und es scheint fast so, als hätte es sie nie gegeben. Es existieren keine Fotos, keine Briefe, einfach nichts.

 

Als die Familie Delos auf die Insel zieht, wird Helens Leben gehörig durcheinandergewirbelt. Schon allein beim Namen Delos kribbelt es in ihr, und als sie dann das erste Mal auf Lucas Delos trifft, wird sie von einer unbändigen Wut gepackt. Sie hat nur einen Wunsch und ein Ziel vor Augen: Sie will diesen Jungen umbringen! Helen und die Familie Delos versuchen sich aus dem Weg zu gehen, um das Schlimmste zu verhindern. Aber der Fortgang der Blutfehde zwischen den Familien lässt sich scheinbar nicht verhindern. Es kommt, wie es kommen muss. Aber während des unausweichlichen Kampfes zwischen ihr und Lucas kommt alles ganz anderes. Eine unerwartete Wendung mit der keiner gerechnet hat. Von diesem Zeitpunkt an herrscht Waffenstillstand. Und nicht nur das: Lucas und Helen lieben einander! Eine Liebe, die nicht sein darf – denn das Schicksal aller ist bereits vorherbestimmt.

 

Schicksalhafte Liebe, antike Fehde, göttliches Erbe

»Oh nein, nicht noch so ein ›Biss‹-Verschnitt«, dachte ich zunächst. Wieder einmal eine tragische Liebe zwischen zwei Teenagern! Die schüchterne Helen, die um keinen Preis auffallen will, erfährt plötzlich, dass sie etwas Besonderes ist – eine Halbgöttin. Mit diesem Anfang scheint die angelegte Trilogie zunächst in einem regelrechten Einheitsbrei zu verschwinden. Noch so eine vorhersehbare Liebesgeschichte…

 

Doch ich wurde eines Besseren belehrt: Das Debüt der Schriftstellerin Josephine Angelini ist alles andere als langweilig oder ideenlos. Mit viel Liebe für Details werden die griechische Mythologie sowie die berühmte Geschichte um Paris und Helena in das Hier und Jetzt verlagert. Dass die Autorin Angewandte Theaterwissenschaften mit dem Schwerpunkt »Antike tragische Helden« und »Griechische Mythologie« studierte, kommt der Handlung zugute. Mit viel Einfühlungsvermögen lässt sie die griechische Mythologie in die Geschichte einfließen; und schafft es sogar, dem Leser Lust darauf zu machen, (noch einmal?) zu den Klassikern der Antike zu greifen; vor allem zu Homers Ilias.

 

Im Roman jagt ein Ereignis das nächste und der Leser wird schnell mit Helen mitfiebern. Zum Verschnaufen bleibt keine Zeit! Auch die einzelnen Figuren sind sehr überzeugend gezeichnet und erweisen sich als charakterstark. Durch die Fülle der Informationen und der sich teilweise fast überschlagenden Ereignisse bleiben manchmal leider andere wichtige Details etwas auf der Strecke. So ist es nicht ganz überzeugend, dass Helen scheinbar alle Kindheitserinnerungen, die mit ihrer besten Freundin zusammenhängen, ausgeblendet hat. Auch Helens Auseinandersetzung mit ihrer wahren Identität hätte durchaus überzeugender gestaltet werden können. Sie scheint sich ihrem Schicksal doch zu schnell zu ergeben. Aber nichtsdestotrotz ist Göttlich verdammt ein gelungener und vielversprechender Auftakt der Trilogie. Achtung Suchtgefahr!

 

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