Eine Dreiecksgeschichte der anderen Art
Der Slogan des Verlags zu Seelen trifft es haargenau: »Science-Fiction für Leute, die keine Science-Fiction mögen.« Die Autorin begibt sich mit Seelen auf ein neues Terrain und lässt Science-Fiction in einem ganzen anderen Licht erscheinen. Dem Roman liegt zwar die typische Thematik dieses Genres zugrunde: Außerirdische, die die Erde übernehmen; doch eigentlich geht es um etwas völlig anderes.
Was bedeutet es überhaupt, ein Mensch zu sein? Was macht uns aus? Mit diesen höchst philosophischen Fragen konfrontiert Meyer ihre Leser. Dies wird durch eine vertrackte Liebesgeschichte in beinahe apokalyptischen Lebensverhältnissen beschrieben. Der Einstig in diese Thematik ist allerdings zäh. Hat man sich erst einmal durch die ersten zweihundert Seiten geschlagen, gewinnt die Handlung dann aber an Fahrt und der Leser taucht ein in eine spannende Welt.
Und auch die Kommunikation zwischen Melanie und Wanda sowie die sich anbahnende Freundschaft zwischen ihnen ist überzeugend und unterhaltsam geschildert. Die Perspektivenwechsel zwischen Melanie und Wanda werden durch verschiedene Schriftsätze hervorgehoben, sodass der Leder zu jeder Zeit den Überblick behält.
Die Liebesthematik zwischen Melanie und Jared aber erinnert teils doch sehr an Bella und Edward: Wie bereits Bella aus der Biss-Reihe so ist auch Melanie ein zurückhaltendes Mädchen, das sich voll und ganz ihrem Angebeteten hingibt. Er scheint für sie das einzige Lebensziel, der einzige Lebensinhalt zu sein. So erkennt man in Melanie viele Charakterzüge von Bella wieder: Sie sind mehr oder minder nur darauf ausgelegt, ihrem Liebsten zu gefallen. Eigentlich schade, wenn man bedenkt, wie stark Melanie im Grunde genommen doch sein muss, um sich einer so alten und erfahrenen Seele zu widersetzen. Melanie schafft es endlich wieder, zu Jared zurückzukehren. Doch die Beziehung zwischen ihnen scheint plötzlich zu stagnieren. Jared scheint mehr ein unerreichbarer Schwarm zu sein, als alles andere. Melanie hat ein körperliches Verlangen nach Jared, Wanda weiß mit diesen Gefühlen nichts anzufangen. Und Wanda scheint auch noch von Eifersucht geplagt zu sein. Bei der Beziehung zwischen Ian und der außerirdischen Seele verfällt Meyer dann doch zu sehr tief alten Klischees. Den 900 Seiten starken Roman hätte man auch um etliche Seiten kürzen können: zu ausschweifend sind die Beschreibungen teilweise, die Handlung stagniert oft. Viele Nebenfiguren bleiben dabei auch in einer Statistenrolle verhaftet: So hassen Maggie und Sharon Wanda abgrundtief, doch der Leser erfährt nichts Näheres über diese Figuren und so wundert man sich mitunter über die Motive ihrer Handlungen. Meyer lässt zum Schluss einige Fragen unbeantwortet und der Leser tappt zuweilen im Dunklen. Warum ist die außerirdische Lebensform einerseits so friedlich (seitdem sie die Herrschaft übernommen haben, gibt es nur noch Frieden auf der Erde), andererseits aber überwältigt sie fraglos die Menschheit und besetzt ihre Körper. Auch Wanda, der schon schlecht wird, wenn sie an Gewalt denkt, spricht von einem Menschen wie von einem Gegenstand: »Ein Körper, der nicht richtig funktionierte, wurde schnell und schmerzlos aussortiert, denn er war genauso unnütz wie ein Auto, das nicht fuhr.« Da bleibt dem Leser nicht anderes übrig als den Kopf zu schütteln und darüber hinwegzusehen. Dennoch ist die Geschichte, trotz Mängeln, durchaus spannend und wird bestimmt dem einen oder anderen Leser schöne Lesestunden bescheren.
