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Donnerstag, 24. Mai 2012 | 04:30

Ilsa J. Bick: Ashes - Brennendes Herz

10.10.2011

Nach dem großen Knall

Wieder ein neuer Verlag, der sich an den Fantasy-Hype dranhängt und versucht, aus dem 100. Biss-Aufguss noch Geld zu machen, könnte man bei der neuen Reihe INK des Egmont-Verlages denken. Doch ein genauerer Blick lohnt, stellte BEATE MAINKA fest …

 

…insbesondere bei dem Titel der US-Army-Majorin und Kinder-und Jugendpsychiaterin Ilsa J. Bick, der zwar durch Cover und Klappentext tatsächlich auf die Fans fantastischer Liebesgeschichten zielt, doch eigentlich eine ganz andere Geschichte erzählt. Alex ist losgezogen in die Wildnis Michigans, allein mit sich, ihren Gedanken, Ängsten und dem Monster in ihrem Kopf, einem Tumor, der sich allen Behandlungsversuchen widersetzt hat. Sie braucht Klarheit und landet in einem Alptraum. Eine Druckwelle wirft sie zu Boden, ab da funktioniert nichts Elektronisches mehr. Die wenigen Menschen, denen sie danach begegnet, haben den großen Knall auf unterschiedliche Weise überstanden. Überlebt haben Kinder, Jugendliche und alte Menschen, wobei die Jugendlichen zu menschenfressenden Zombies entartet sind. Doch warum spürt Alex keine Veränderung in sich, außer dass ihr durch den Tumor verschwundener Geruchssinn doppelt intensiv wiederkehrt?  Und warum wurde der junge Soldat Tom, der ihr das Leben rettet, ebenfalls von den Veränderungen verschont? Alex und Tom machen sich auf die Suche nach einer menschlichen Siedlung und stellen fest, dass die Überlebenden in dem kleinen Dorf Rule zu erbitterten Widersachern um die wenigen verbliebenen Ressourcen geworden sind. Alex begibt sich auf eine schwierige Gratwanderung zwischen Menschlichkeit und Überlebenswillen.

 

Überzeugender Mix

Bick ist ein Roman gelungen, den man in der momentanen Überfülle an fantastischer Literatur nur noch selten findet. Sie erzählt eine in sich logisch konsequente Geschichte und bedient sich dabei einiger Versatzstücke der Fantasy, um ihre Leser bei Laune zu halten. Das Zombie-Motiv findet sich inzwischen gerade in amerikanischer Fantasyliteratur zuhauf, sie greift es auf als durchaus plausible  Bedrohung für ihre Helden. Die Ausgangsituation ist allerdings völlig realistisch, irgendeiner hat eben doch den roten Knopf gedrückt. Von daher ist »Ashes« mehr Dystopie als Fantasy, geht es weniger um die große Liebe zwischen Alex und Tom als um die Handlungsweisen von Menschen nach dem Zusammenbruch einer funktionierenden, hochtechnisierten Zivilisation.

 

Alex‘ Gedankenwelt ist durch deren Auseinandersetzung mit einem möglichen frühen Tod anders strukturiert als bei normalen Teenagern – auch hier überzeugt die Jugendpsychiaterin Bick – und verläuft in ganz anderen Bahnen angesichts der Ausnahmesituation. Sie stellt sich der Bedrohung von außen offensiver, denkt vielschichtiger, überprüft immer wieder ihre eigenen Wertvorstellungen. Und handelt dadurch immer wieder, auch für den Leser, überraschend, was die Spannung zusätzlich steigert. Da kann man Bick auch verzeihen, dass sie mit einigen blutrünstigen Szenen ein wenig über das Ziel hinaus schießt zu deren Gunsten. Manchmal braucht es schon gute Nerven.

 

Fortsetzung folgt...

hoffentlich bald, denn das Ende dieses Teils einer wahrscheinlich unvermeidlichen Trilogie ist völlig offen. So bleibt uns nur das bange und hoffnungsvolle Warten auf den Fortgang einer Geschichte, die bei aller Fantastik doch so beängstigend realistisch daherkommt, dass wir nur hoffen können, dass wir verschont bleiben werden vom großen Knall.    

 

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