Der Quell der Hoffnung
Die immerwährende Wiedekehr der Erwähnung des Flusses Mondego, dessen Besuch ihn in jungen Jahren verwehrt blieb, ist für den Erkrankten ein wichtiger Ankerpunkt. Die Quelle des Flusses als Sinnbild des Lebens, das noch nicht vorüber sein darf. Die Erinnerung taucht immer wieder in den Momenten auf, in denen er auf die Schattenseite des Lebens zu kippen droht. Er träumt sich mit schlafwandlerischer Sicherheit zurück an die Orte, an denen sein Leben begann, unterbrochen von dem Kampf der Ärzte um sein Leben.
Lobo Antunes beschreibt in seiner Rückbesinnung auf das Leben von der Gesellschaft der toten Familienmitglieder und evolviert konzise die differenzierten Zustandsbilder seiner Krankheit. Er halluziniert die Bühne des Lebens herbei, zählt das Vergangene auf und beschwört die Lebendigen, den Tod nicht hereinzulassen.
Ein Buch, das Mut macht, ein intensives Einatmen von Leben, Besinnung und einer Begegnung des Unabwendbaren. Lobo Antunes macht es auch in diesem sehr persönlichen Buch dem Leser nicht einfach, denn der renommierte Autor ist ein ausgewiesener Könner des assoziativen Schreibens. Seine Rückblenden, das erbarmungslose Zoomen an ein einziges, immer wiederkehrendes Detail, das eine Chronologie des epischen Erzählens unmöglich macht, verursacht beim Leser oft ein Gefühl der Verwirrtheit. Gleichwohl nimmt es einen sofort gefangen, die Emphase seiner Sprache, die wohldosierte Redundanz, offenbaren einen Wirbel des Existenziellen, der einen tiefen Eindruck hinterlässt.