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Donnerstag, 24. Mai 2012 | 04:49

Richard Stark: Verbrechen ist Vertrauenssache

12.12.2011

Parker und die Dilettanten

Seit 2006 erscheinen im Paul Zsolnay Verlag die Parker-Romane von Richard Stark. Hinter dem Autorenpseudonym verbirgt sich der 2008 verstorbene Donald E. Westlake. Verbrechen ist Vertrauenssache – im Original 1997 unter dem Titel Comeback erschienen – ist bereits der achte Band in der schön aufgemachten Reihe. Als Übersetzer konnte zum dritten Mal mit Dirk van Gunsteren einer der Renommiertesten seines Fachs gewonnen werden. Und Parker, der Verbrecher ohne Vornamen, macht seinem Ruf natürlich wieder alle Ehre. Von DIETMAR JACOBSEN

 

Es ist immer wieder das Gleiche. Der Plan hat kaum Schwachstellen. Das Risiko ist überschaubar. Die Beute mehr als verlockend. Doch sobald man sie eingesackt hat, geht es los mit den Komplikationen. Als da wären: unzuverlässige Mitspieler, Bräute, die nicht dichthalten, jede Menge Dilettanten und natürlich die Polizei. Letztere stellt dabei noch das geringste Übel dar. Denn natürlich hat Parker sie von vornherein auf der Rechnung. Ob seine Partner, wenn es schließlich ans Verteilen geht, noch seine Partner sein werden, weiß er hingegen nicht mit Sicherheit.

 

Diesmal stellen die Einnahmen eines Fernsehpredigers, der mit seinen Heilsbotschaften Stadien füllt – und dabei richtig abkassiert –, das Objekt der Begierde dar. Die Idee, den falschen Propheten auszurauben, stammt von einem seiner Adepten. Der bekommt dann prompt als Erster kalte Füße. Kurz darauf blickt Parker in den Gewehrlauf eines allzu gierigen Kumpels – zum Glück hat er dessen Waffe vorher heimlich entladen. Aber der Mann kann fliehen und stellt von nun an eine Gefahr für seine beiden Ex-Verbündeten dar. Und außerdem sind da auch noch ein paar ungeschickte Seiteneinsteiger und Dwayne Thorsen – Ex-Marine und skrupellose rechte Hand des Predigers.

 

Unzuverlässige Mitspieler, Bräute, die nicht dichthalten, und jede Menge Dilettanten

Verbrechen ist Vertrauenssache ist – wie alle Parker-Bücher – ein Fest für Freunde hintersinniger, blendend geschriebener Gangsterromane. Der Held eiskalt, der Plot raffiniert, die Sprache schlicht – kein Wort zu viel, kein Wort zu wenig. Wechselnde Schauplätze, Freunde, die zu Schurken werden, und Frauen, auf die man stets ein Auge haben sollte. Schnelle Dialoge, beißende Ironie, jede Menge Coolness und eine Prise Zeit- und Gesellschaftskritik. Das Ganze nicht geradlinig erzählt, sondern auch Vor- und Rückblenden riskierend – allerdings mit Maß, denn man will den Leser, für den solches ungewohnt ist, ja nicht verschrecken.

 

Erneut kann man nur staunen, mit welcher Leichtigkeit Richard Stark einen Roman zu komponieren verstand. Wie da eines zum anderen passt, die Dinge ineinandergreifen, Kontraste gesetzt werden, Spannungsbögen aufgebaut. Wie Figuren Plastizität bekommen, ihr Denken und Handeln mit wenigen Worten verständlich gemacht wird. Und wie auch das Klischee, das Erwartbare seinen Raum bekommt, auf dass die Fantasie des Lesers arbeiten kann.

 

Showdown im Geisterhaus

Am Ende liefert sich Starks Antiheld noch einen filmreifen Showdown mit seinem härtesten Widersacher in einem riesigen, unbewohnten Haus. Und wie immer ertappt man sich dabei, dass man die Daumen einem skrupellosen Gangster hält. Sollte man nicht auf der Seite der anderen sein, der Männer von Recht und Gesetz? Ein einziger Blick dort hinüber freilich genügt. Denn was sich dort herumtreibt an scheinheiligen Gutmenschen, korrupten Polizisten und gierigen Kleinbürgern lädt weiß Gott zu keinerlei Allianz ein.

 

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