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Donnerstag, 24. Mai 2012 | 04:50

Will Gmehling, Isabel Pin: Wie das Glück zu Rita Ricotta kam / Alessandro Lecis, Linda Wolfsgruber: Ich bin nicht Rotkäppchen

12.12.2011

Zwei Geschichten vom Glück

Glück braucht man im Leben, was wären wir ohne es? Glück, das im letzten Moment Unglück wendet, Momente des Glücks, die Leben schön machen, sei es für längere Zeit, sei es für einen Augenblick nur. Glück, das wie ein freundlicher Geist erscheint, um die Sonne in ein dunkles Leben leuchten zu lassen. Davon erzählen jeweils auf sehr eigene Art Will Gmehling in Wie das Glück zu Rita Ricotta kam und Alessandro Lecis in Ich bin nicht Rotkäppchen. Von MAGALI HEISSLER

 

Rita Ricotta wohnt in einem Zimmer ohne Fenster in einem heruntergekommenen Mietshaus. Im Flur riecht es durchdringend nach Rosenkohl. Ihr Nachbar liebt Rosenkohl, Rita nicht. Tagsüber arbeitet sie in einer Fischfabrik, dort ist es ebenso kalt, wie ihre Wohnung lichtlos ist. Hin und wieder hat Rita Träume, vom Süden, von Farben, davon, Freunde zu haben. Aber sie hat keine Ahnung, wie man die Träume verwirklichen könnte. Eigentlich will sie auch keine Ahnung haben, sie hat Angst vor Veränderungen. Das kann das Glück nun gar nicht dulden. Also macht es sich auf den Weg zu Rita. Allerdings ist der Weg lang, es gibt so viel zu entdecken und zu bestaunen für das Glück. Deshalb braucht es immer so viel Zeit.

Als es endlich ankommt, muss es erst einmal mit Ritas Angst vor ihm umgehen. Da hat das Glück seine eigenen Methoden. Glücklicherweise.

 

Dem Glück ins Auge sehen.

Das namenlose kleine Mädchen mit dem knallroten Schal, das Alessandro Lecis in den Winterwald hinaus spazieren lässt, hat keine Angst vor seltsamen Begegnungen. Schließlich ist es nicht Rotkäppchen, warum also sollte es einen schwarzen Wolf fürchten? Es erweist sich, dass das Kind recht hat. Statt des Wolfs trifft es einen Eisbären. Der versteht sofort, was das Mädchen sucht, Schnee nämlich. Und schon sind sie befreundet und suchen gemeinsam danach. Einen ganzen wunderbaren Nachmittag verbringen sie miteinander, eine Zeit wachsender Nähe, verbunden durch magisch schöne Gedanken über den Schnee. Ihr Glück ist so pur, wie seine weiße Schönheit.

Aber Glück dauert nicht ewig, sie müssen sich trennen. Was bleibt, ist die Erinnerung und in ihr ist jeder Moment wieder so selig, wie beim ersten Mal.

Eine ängstlich-zögernde und eine mutige Heldin führen die beiden Autoren vor, wo die eine gleich zupackt, muss die andere erst lernen, die Hand nach etwas auszustrecken. Glück hängt eng mit Vertrauen zusammen. Rita hat es verloren, es wird ihr wiedergeschenkt. Das kleine Mädchen dagegen zeigt uns, dass Vertrauen auch Vertrauen einbringt. Auch wenn es am Ende einen Freund verlässt, hat es ebenso an Glück gewonnen, wie Rita. Für das Glück braucht man Mut, immer.

 

Poesie der Worte, Poesie der Bilder

Gmehlings Glück ist ein Tausendsassa, ein Schelm, aber ein glücklicher. Der Text ist kurz gehalten, immer prägnant und zugleich lyrisch farbig. Das Glück ist ein wunderbarer Protagonist, überzeugend charakterisiert und originell dargestellt. Die Illustrationen von Isabel Pin fangen die Kernmomente der Handlung ein, in ihren großen Flächen, die selbst bei gedämpften Farben noch strahlen, kann man sich zum Träumen und Fantasieren über weitere Glücksgeschichten verlieren. Über Kirschen oder smaragdgrüne Wolken oder was immer einer an seifenblasenleichten Glücksträumereien einfällt.

Linda Wolfsgruber, die Lecis’ Geschichte illustriert, konzentriert sich auf die Schneelandschaft unter wechselnden Winterhimmelfarben. Die Geschichte ist eine Wintergeschichte, schön, aber auch ein wenig unheimlich, denn lebendig sind nur die Heldin, der Bär und, vielleicht, der Schnee. Weiß, schwarz und Blautöne herrschen vor, dazwischen leuchtet, wie ein Triumphsignal, der knallrote Schal der kleinen Heldin auf. Am Ende gibt sie ihn weiter, wer glücklich ist, macht zu gern auch andere glücklich.

 

Zwei wunderschöne Bilderbücher, eine glückliche Bereicherung für Leserinnen und Leser aller Altersstufen.

 

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