»Von innerlich skelettierten Menschen bewohnte(-) Wüsteneien»Von innerlich skelettierten Menschen bewohnte(-) Wüsteneien«
Meisterhaft, wie man das von ihm gewohnt ist, leuchtet Friedrich Ani mit seinem kleinen Roman in menschliche Abgründe hinein. Alle seine Figuren – Tabor Süden, den erst ein Lebenszeichen seines seit Jahrzehnten verschwundenen Vaters zurück nach München gelockt hat, nicht ausgenommen – sind verzweifelt Suchende. Unterwegs in einer Welt, wo jeder vor sich hin wurstelt und die eigenen Interessen über die der anderen stellt, giert jeder nach dem bisschen Aufmerksamkeit, das man – zumal als Kind – benötigt, um nicht in Einsamkeit und Depression zu enden. Allein: Es zu finden will den wenigsten gelingen, wie das Schicksal einer Handvoll Nebenfiguren demonstriert, mit denen Friedrich Anis Ermittler in Berührung kommt.
Natürlich wäre Süden nicht Süden, wenn ihn seine Intuition und die Fähigkeit, die Gesprächspartner, die ihm begegnen, durch Ehrlichkeit, Empathie und Authentizität für sich zu gewinnen, nicht auf die richtige Spur führen würden. Was seinen Auftrag betrifft, darf er schließlich Vollzug melden. Die Kälte der Welt freilich, durch die er sich trotz vorweihnachtlichen Kerzenscheins bewegt, hat um keinen Grad abgenommen, wenn der Vermisste wieder in die Geborgenheit des Sankt-Zeno-Hauses und zu seinen Freunden zurückgekehrt ist. So weit wie gedacht ist er im Übrigen gar nicht weg gewesen. Und seine Freundin Fanny kennt den wahren Grund für das Verschwinden: »Damit jemand nach ihm sucht … Damit wir ihn nicht vergessen.«